Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Das fahle Aussehen Ihrer Kunstwerke am Abend ist kein unvermeidbares Schicksal, sondern das Ergebnis eines unbewussten Lichtkonzepts. Die Lösung liegt nicht darin, zwischen gemütlichem Wohnlicht und präzisem Galerielicht zu wählen, sondern eine bewusste Lichtchoreografie zu inszenieren. Durch die meisterhafte Kombination von Farbwiedergabe (CRI), Farbtemperatur (Kelvin) und gezielter Lichtführung verwandeln Sie Ihren Wohnraum in eine dynamische Bühne, auf der Ihre Kunst in jeder Situation perfekt zur Geltung kommt.

Sie kennen das Gefühl: Tagsüber strahlt Ihr modernes Apartment eine klare, puristische Eleganz aus. Die sorgfältig ausgewählten Kunstwerke – eine kühle Bronzeskulptur, ein abstraktes Ölgemälde – sind die Stars des Raumes. Doch sobald die Dämmerung einsetzt und Sie das Licht einschalten, bricht die Magie zusammen. Das gemütliche, warme Licht, das den Raum behaglich machen soll, lässt die Farben Ihrer Kunst fahl, die Formen flach und die gesamte Komposition leblos wirken. Was als stilvolles Refugium gedacht war, fühlt sich plötzlich wie ein Kompromiss an.

Viele greifen dann zu den üblichen Ratschlägen: Man installiert einen einfachen Spot über dem Bild oder wählt eine „neutrale“ Glühbirne. Doch diese Ansätze kratzen nur an der Oberfläche. Sie behandeln Licht als reine Helligkeit, nicht als das, was es wirklich ist: das mächtigste Werkzeug zur Gestaltung von Atmosphäre und Wahrnehmung. Die Kunst der Lichtplanung geht weit über die Auswahl einer Lampe hinaus; sie umfasst die Qualität des Lichts selbst, seine Farbe, seine Richtung und sein Zusammenspiel mit den Materialien im Raum.

Aber was, wenn die wahre Lösung nicht in einem „Entweder-oder“ zwischen Wohnlichkeit und Galerie-Ästhetik liegt, sondern in einer bewussten Inszenierung? Was, wenn Sie lernen könnten, das Licht wie ein Regisseur zu führen und eine dynamische Raumdramaturgie zu erschaffen? Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden, um vom passiven Beleuchter zum aktiven Lichtchoreografen zu werden. Wir werden die technischen Grundlagen von CRI und Kelvin entmystifizieren und Ihnen zeigen, wie Sie mit indirektem Licht, programmierbaren Szenen und dem Wissen um Material und Reflexion eine Brücke zwischen Alltag und Kunsterlebnis schlagen. So wird Ihre Kunst nicht nur beleuchtet, sondern zum Leben erweckt – zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Um Ihnen eine strukturierte Übersicht über die entscheidenden Aspekte der Kunstbeleuchtung zu geben, haben wir diesen Artikel in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Der folgende Sommaire führt Sie durch die einzelnen Kapitel Ihrer Reise zum perfekten Lichtkonzept.

CRI > 90: Warum Farben bei billigen LED-Lampen grau wirken und worauf Sie beim Kauf achten müssen

Der erste Schritt zu einer brillanten Kunstbeleuchtung liegt in einer oft übersehenen Kennzahl: dem Farbwiedergabeindex (CRI oder Ra). Dieser Wert auf einer Skala bis 100 beschreibt, wie naturgetreu Farben unter einer künstlichen Lichtquelle im Vergleich zum Sonnenlicht (CRI 100) erscheinen. Eine billige LED aus dem Baumarkt hat oft nur einen CRI von 70-80. Das Lichtspektrum ist lückenhaft, wodurch bestimmte Farbnuancen, insbesondere Rot- und Hauttöne, nicht reflektiert werden können. Das Resultat: Das leuchtendste Rot wirkt bräunlich, ein warmes Ocker erscheint schmutzig-grau. Ihre Kunst verliert an Tiefe und Lebendigkeit.

Für die Kunstbeleuchtung ist ein CRI-Wert von über 90 ein absolutes Muss. Erst in diesem Bereich ist das Lichtspektrum ausreichend vollständig, um das gesamte Farbspektrum eines Kunstwerks authentisch wiederzugeben. Glücklicherweise hat die LED-Technologie enorme Fortschritte gemacht. Laut Fachportalen sind moderne LED-Leuchtmittel mit einem Farbwiedergabeindex von 95 oder mehr mittlerweile für anspruchsvolle Anwender in Deutschland problemlos erhältlich. Diese Investition ist der entscheidende Unterschied zwischen einer schlichten Beleuchtung und einer echten Konservierung der künstlerischen Vision.

Die folgende Tabelle verdeutlicht die Eignung verschiedener Lichtquellen basierend auf ihrem CRI-Wert und zeigt, warum Standard-LEDs für die Kunstpräsentation unzureichend sind.

Vergleich von CRI-Werten und ihre Eignung für Kunst
Lichtquelle CRI-Wert Eignung für Kunst
Sonnenlicht 100 Perfekt (Referenz)
Hochwertige LED (Premium) 95-98 Hervorragend
Standard LED (Baumarkt) 70-80 Unzureichend
Natriumdampflampe -44 Ungeeignet

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Wirkung eines hohen CRI-Wertes ist die kürzliche LED-Umstellung im Petersdom in Rom. Dort lässt die neue Beleuchtung nicht nur den Marmorboden, sondern auch die farbenprächtigen Fresken in ihrer vollen Pracht erstrahlen – eine Wirkung, die ohne einen exzellenten CRI-Wert unmöglich wäre.

Lichtvouten und LED-Strips: Wie Sie Kunst indirekt beleuchten, um eine Lounge-Atmosphäre zu schaffen

Nachdem die Qualität der Lichtquelle stimmt, geht es an die Inszenierung. Indirekte Beleuchtung ist das Geheimnis hinter einer weichen, schattenarmen Grundhelligkeit, die eine luxuriöse und zugleich entspannte Lounge-Atmosphäre erzeugt. Statt Objekte direkt anzustrahlen, wird das Licht über Wände oder Decken in den Raum gelenkt. Lichtvouten oder verdeckt installierte LED-Strips sind hierfür das Mittel der Wahl. Sie schaffen eine diffuse Lichtbasis, die den Raum größer wirken lässt und eine perfekte Bühne für gezielte Akzente auf Ihren Kunstwerken bildet.

Diese Technik bricht mit dem klassischen „White Cube“-Prinzip, das oft auf eine homogene, schattenfreie Ausleuchtung von Raum und Kunst setzt. In einem Wohnambiente wollen wir jedoch beides: eine atmosphärische Grundstimmung und eine brillante Hervorhebung der Kunst. Indirektes Licht erzeugt die Stimmung, während separate, gerichtete Spots die Kunstwerke als Highlights aus diesem sanften Lichtmeer herausheben. So entsteht eine visuelle Hierarchie, die den Blick lenkt und den Raum strukturiert, ohne ihn mit grellem Licht zu überfluten.

Ihr Plan zur Umsetzung einer indirekten Lounge-Beleuchtung

  1. Systemwahl: Entscheiden Sie sich zwischen vorgefertigten Stuckleisten mit integriertem LED-Kanal für eine einfache Montage oder professionellen Trockenbau-Lösungen für eine vollständig unsichtbare Integration.
  2. Positionierung: Platzieren Sie die LED-Strips mit einem Mindestabstand von 10 cm zur Wand oder Decke, um eine weiche und gleichmäßige Lichtverteilung ohne harte Kanten zu gewährleisten.
  3. Steuerung: Installieren Sie dimmbare Treiber. Dies ist unerlässlich, um die Helligkeit der Grundbeleuchtung flexibel anpassen und verschiedene Stimmungen erzeugen zu können.
  4. Kombination: Planen Sie die indirekte Beleuchtung als Basis und ergänzen Sie sie mit gerichteten Akzentstrahlern, die ausschließlich Ihre Kunstwerke anleuchten.
  5. Installation: Beauftragen Sie für die finale elektrische Installation und den Anschluss der Treiber einen qualifizierten Elektrofachbetrieb in Deutschland, um Sicherheit und fachgerechte Ausführung zu garantieren.

Durch die Trennung von Grund- und Akzentlicht gewinnen Sie die volle Kontrolle über die Raumdramaturgie. Sie können die Kunst in den Mittelpunkt rücken, während der Rest des Raumes in eine angenehme, blendfreie Atmosphäre taucht.

Szenen programmieren: Wie Sie per Sprachbefehl das Licht von „Putzlicht“ auf „Galeriemodus“ umschalten

Die wahre Meisterschaft in der Lichtchoreografie entfaltet sich mit der Fähigkeit, verschiedene Lichtstimmungen dynamisch abzurufen. Hier kommen moderne Smart-Home-Systeme ins Spiel. Sie erlauben es, die zuvor getrennten Lichtkreise – indirekte Grundbeleuchtung und direkte Akzentstrahler – zu kombinieren und als vordefinierte „Szenen“ zu speichern. Mit einem einzigen Befehl, sei es per App, Schalter oder Sprache („Alexa, schalte den Galeriemodus ein“), verwandelt sich Ihr Wohnzimmer von einem funktionalen Alltagsraum in eine kontemplative private Kunsthalle.

Diese programmierbaren Szenen sind die Antwort auf den Konflikt zwischen Wohnlichkeit und Kunstpräsentation. Sie schaffen eine „Wahrnehmungsbrücke“ und passen die Atmosphäre des Raumes an Ihre aktuelle Tätigkeit an. Eine Szene „Putzlicht“ könnte alle Lampen auf 100% Helligkeit und ein kühles, aktivierendes Licht (z.B. 5000K) schalten, um jeden Winkel auszuleuchten. Im Gegensatz dazu würde der „Galeriemodus“ die indirekte Beleuchtung auf ein warmes, gedimmtes Niveau (z.B. 20% bei 3000K) absenken und nur die Spots auf den Kunstwerken mit voller Intensität und neutralerer Farbe (z.B. 4000K) erstrahlen lassen.

Moderne Wohnzimmer-Kunstgalerie mit programmierbarer Smart-Home-Beleuchtung, die den Wechsel von hellem Putzlicht zu stimmungsvollem Galeriemodus zeigt.

Wie die Abbildung andeutet, liegt die Kraft in diesem Kontrast. Das Kunstwerk tritt aus der Dunkelheit hervor, während der umgebende Raum zurücktritt und zur Kulisse wird. Hier sind einige konkrete „Rezepte“ für Lichtszenen, die Sie in gängigen Systemen wie Philips Hue, Casambi oder KNX umsetzen können:

  • Galeriemodus: Spots auf Kunst 100% bei 4000K, indirektes Licht 20% bei 3000K.
  • Dinner-Modus: Alle Lichter auf eine sehr warme Farbtemperatur von 2700K und auf 40% Helligkeit gedimmt.
  • Leseabend: Hauptlicht auf 3500K bei 60% Helligkeit, die Akzentbeleuchtung der Kunst wird auf 30% reduziert, um nicht abzulenken.
  • Zirkadiane Abendszene: Ein automatischer, sanfter Übergang der gesamten Beleuchtung von neutralen 4000K am späten Nachmittag zu warmen 2700K über einen Zeitraum von zwei Stunden, um den natürlichen Tageslichtverlauf zu imitieren.

Durch das Programmieren solcher Szenen geben Sie dem Raum ein dynamisches Eigenleben und passen seine Funktion und Atmosphäre exakt Ihren Bedürfnissen an.

Entspiegeltes Glas: Lohnt sich der dreifache Preis für Museumsglas in hell erleuchteten Räumen?

Wenn Kunstwerke hinter Glas gerahmt sind, tritt ein weiterer Akteur in der Lichtdramaturgie auf: die Reflexion. In hell erleuchteten Räumen, insbesondere bei dunkleren Kunstwerken, kann Standardglas wie ein Spiegel wirken. Statt des Kunstwerks sehen Sie nur noch die Reflexion des gegenüberliegenden Fensters oder einer leuchtenden Lampe. Hier kommt entspiegeltes Museumsglas ins Spiel. Es reduziert die Restreflexion auf unter 1% und ist dadurch praktisch unsichtbar. Der Betrachter hat das Gefühl, direkt auf das Kunstwerk zu blicken.

Der Hauptvorteil, der den oft deutlich höheren Preis rechtfertigt, ist jedoch nicht nur die Entspiegelung, sondern der integrierte UV-Schutz von 99%. Experten warnen, dass besonders ungefiltertes Tageslicht durch seinen hohen UV-Anteil die Pigmente von Zeichnungen, Aquarellen oder Fotografien um ein Vielfaches schneller ausbleichen lässt als künstliches Licht. Museumsglas ist also nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine konservatorische Investition, die den Wert Ihrer Kunst langfristig erhält.

Fallstudie: Kunsthalle Mannheim

Ein herausragendes Beispiel aus Deutschland ist die Kunsthalle Mannheim. Als größter Museumsneubau des Landes setzt das 68,3-Millionen-Euro-Gebäude auf eine hochmoderne Kombination aus speziellem Museumsglas und adaptiver LED-Beleuchtung. Der Erfolg dieses Konzepts zeigt sich nicht nur am optimalen Schutz der Kunstwerke, sondern auch am öffentlichen Zuspruch: Wie eine Analyse zeigt, zog der Neubau fast 90.000 Besucher in den ersten drei Monaten an. Dies demonstriert, wie die Beseitigung von Barrieren – seien es physische oder visuelle wie Reflexionen – das Kunsterlebnis fundamental verbessert.

Die Entscheidung für oder gegen Museumsglas hängt vom Wert des Kunstwerks und der Lichtsituation ab. Bei einem wertvollen Unikat, das in einem lichtdurchfluteten Raum hängt, ist es eine fast unerlässliche Maßnahme. Bei einem einfachen Druck in einem dunkleren Flur kann man hingegen darauf verzichten.

Dunkle Wand, helles Bild: Wie Wandfarben das Licht schlucken oder verstärken und die Atmosphäre ändern

Die Wand, an der Ihr Kunstwerk hängt, ist kein passiver Hintergrund, sondern ein aktiver Mitspieler in Ihrer Lichtchoreografie. Ihre Farbe und Oberfläche bestimmen maßgeblich, wie das Licht im Raum reflektiert wird und welche Atmosphäre entsteht. Der entscheidende Faktor ist der Lichtreflexionsgrad (LRV – Light Reflectance Value). Eine reinweiße Wand kann bis zu 95% des auftreffenden Lichts zurückwerfen, was den Raum heller und größer wirken lässt, aber auch steril erscheinen kann. Eine dunkle Wand hingegen schluckt das meiste Licht und schafft einen dramatischen, bühnenartigen Kontrast, der das Kunstwerk förmlich aus der Dunkelheit heraustreten lässt.

Die Wahl der Wandfarbe ist somit ein zentrales Element der Raumdramaturgie. Eine mittelgraue Wand bietet oft die beste Balance: Sie ist neutral genug, um nicht mit der Kunst zu konkurrieren, reflektiert aber weniger hart als Weiß und schafft so eine elegante, ruhige Basis. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Wirkung verschiedener Wandfarben.

Lichtreflexionsgrad (LRV) und Wirkung verschiedener Wandfarben
Wandfarbe LRV-Wert Lichtwirkung Empfohlene Nutzung
Reinweiß 85-95% Maximale Reflexion Kleine Räume, neutrale Galerie
Mittelgrau (z.B. Elephant’s Breath) 40-50% Weiche Balance Elegante Kunstpräsentation
Dunkelblau (z.B. Down Pipe) 10-20% Dramatischer Kontrast Akzentwand für helle Kunst

Die historische Perspektive bestätigt diesen gestalterischen Ansatz. Wie Experten für Museumsbeleuchtung anmerken, ist die Verwendung von Farbe kein moderner Trend. Der Lichtexperte von Strahler-Profi.de erklärt dies in seinem Leitfaden zur Galeriebeleuchtung:

Farbige Wände findet man oft in Ausstellungen sogenannter ‚Alter Meister‘, wo meist auch mit gestreutem und diffusem Licht gearbeitet wird.

– Strahler-Profi.de, Galeriebeleuchtung und Museumsbeleuchtung

Diese Beobachtung zeigt, dass die Kombination aus farbiger Wand und weichem, diffusem Licht eine bewährte Methode ist, um eine intime, fast sakrale Atmosphäre zu schaffen, die besonders bei klassischen Werken gut funktioniert.

3000K oder 4000K: Welches Licht lässt Bronze warm glänzen und welches lässt sie stumpf wirken?

Neben der Farbqualität (CRI) ist die Farbtemperatur, gemessen in Kelvin (K), der zweite entscheidende Charakterzug des Lichts. Sie bestimmt die Lichtfarbe auf einer Skala von warm (gelblich, unter 3000K) bis kalt (bläulich, über 5000K). Die gängige Annahme, warmes Licht sei für Wohnräume und kaltes für Büros, ist für die Kunstbeleuchtung zu undifferenziert. Hier beginnt der „Materialdialog“: Die richtige Farbtemperatur hängt vom Material und der Farbpalette des Kunstwerks selbst ab.

Eine Bronzeskulptur beispielsweise lebt von ihren warmen, rötlich-goldenen Reflexen. Beleuchtet man sie mit einem sehr warmen Licht (2700K), kann sie übertrieben gelb wirken. Unter einem neutralweißen Licht (4000K) hingegen verliert sie ihren charakteristischen Schimmer und erscheint kühl, grau und leblos. Der ideale Bereich für Bronze liegt oft bei 3000K (Warmweiß). Dieses Licht ist warm genug, um die Materialität zu unterstreichen, aber neutral genug, um die Form nicht zu verfälschen. Bei einem kühlen Marmorobjekt hingegen würde 3000K einen unschönen Gelbstich erzeugen; hier sind 4000K ideal, um die kühle Brillanz und die feinen Adern des Steins hervorzuheben.

Die folgende Matrix gibt eine Orientierung, welche Farbtemperatur mit welchem Material am besten harmoniert. Sie ist die Basis für einen bewussten Materialdialog.

Material-Licht-Matrix: Optimale Farbtemperatur für verschiedene Kunstmaterialien
Material 2700K 3000K 4000K
Bronze Sehr warm, goldener Schimmer Optimal, natürliche Wärme Kühl, grau wirkend
Messing Zu gelb Perfekt ausbalanciert Verliert Glanz
Marmor Gelbstich Neutral Klar und brilliant
Dunkles Holz Sehr warm Reich und tief Farblos

Diese Prinzipien werden weltweit in Museen angewandt. So wird bei der Beleuchtung von Bronze-Skulpturen, wie denen von Alberto Giacometti, bevorzugt 3000K LED-Licht eingesetzt. Diese Farbtemperatur lässt die charakteristische Textur und die warmen Töne des Metalls optimal zur Geltung kommen und bietet zugleich die breitesten Gestaltungsmöglichkeiten für eine dramaturgische Inszenierung.

Spots oder Streulicht: Wie beleuchten Sie glänzende Ölbilder ohne störende Reflexionen?

Bei zweidimensionalen, glänzenden Oberflächen wie Ölgemälden oder Fotografien hinter Glas ist die größte Herausforderung die Vermeidung von störenden Reflexionen (Glanz- oder Spiegelpunkte). Ein frontal auf das Bild gerichteter Spot ist hier die schlechteste Lösung, da er nach dem Prinzip „Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel“ direkt in das Auge des Betrachters reflektiert wird. Das Ergebnis ist eine helle, blendende Stelle, die das Motiv überdeckt.

Die Lösung liegt in der richtigen Positionierung und Ausrichtung der Lichtquelle. Statt einer frontalen Beleuchtung wird mit Streiflicht oder Wandflutern (Wallwasher) gearbeitet. Die Leuchten werden an der Decke so positioniert, dass das Licht in einem steilen Winkel von oben auf das Bild fällt. Ein bewährter Richtwert ist ein Winkel von ca. 30 Grad zur Vertikalen. Dadurch wird der Lichtkegel auf die Bildfläche gelenkt, die Reflexion jedoch auf den Boden vor dem Bild, also außerhalb des Sichtfeldes des Betrachters.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Abstrahlwinkel des Spots. Dieser bestimmt die Größe des Lichtkegels. Ein zu enger Winkel (z.B. 10°) erzeugt einen harten, kleinen Lichtkreis auf dem Bild. Ein zu weiter Winkel (z.B. 60°) beleuchtet viel Wandfläche um das Bild herum und schwächt den Akzent ab. Der ideale Abstrahlwinkel sollte so gewählt werden, dass der Lichtkegel die Kanten des Bildes sanft ausleuchtet. Für eine flexible Anpassung an verschiedene Bildgrößen bieten moderne Museumsprojektoren oft einen verstellbaren Bereich von 26° bis 51°. Für den Privatgebrauch wählt man den Spot passend zum größten zu beleuchtenden Bild.

Eine alternative Technik, besonders für sehr große oder stark texturierte Bilder, ist die asymmetrische Wandflutung. Hierbei sorgen spezielle Reflektoren in der Leuchte dafür, dass eine ganze Wandfläche von oben bis unten gleichmäßig ausgeleuchtet wird, wodurch das Kunstwerk blendfrei und homogen in Licht getaucht wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität vor Quantität: Ein hoher CRI-Wert (>90) ist entscheidender als die reine Helligkeit, um Farben naturgetreu darzustellen.
  • Dialog mit dem Material: Die Farbtemperatur (Kelvin) muss zum Material des Kunstwerks passen (z.B. 3000K für Bronze, 4000K für Marmor).
  • Choreografie statt Kompromiss: Trennen Sie atmosphärisches Grundlicht (indirekt) und gezieltes Akzentlicht (Spots) und steuern Sie beides über programmierbare Szenen für maximale Flexibilität.

Wie beleuchten Sie 3D-Objekte, damit dramatische Schatten entstehen und nicht nur flaches Licht?

Während bei Bildern die Vermeidung von Schatten und Reflexionen oft im Vordergrund steht, ist bei dreidimensionalen Objekten wie Skulpturen der bewusste Einsatz von Licht und Schatten das A und O. Eine flache, frontale Beleuchtung lässt eine Skulptur konturlos und uninteressant wirken. Erst durch gezielte Schattenwürfe entsteht Plastizität, Tiefe und Dramatik. Das Objekt wird modelliert und seine Form für den Betrachter lesbar gemacht.

Eine bewährte Methode hierfür ist die aus der Filmproduktion adaptierte Drei-Punkt-Beleuchtung. Sie besteht aus:

  1. Führungslicht (Key Light): Ein starker, gerichteter Spot, der schräg von oben (ca. 45° seitlich und von oben) auf das Objekt trifft. Er ist die Hauptlichtquelle und erzeugt die primäre Modellierung und die markantesten Schatten.
  2. Aufhelllicht (Fill Light): Eine weichere, weniger intensive Lichtquelle, die von der gegenüberliegenden Seite kommt. Ihre Aufgabe ist es, die vom Führungslicht erzeugten Schatten leicht aufzuhellen, damit Details in den dunklen Bereichen erkennbar bleiben. Das Verhältnis von Führungs- zu Aufhelllicht (z.B. 3:1) bestimmt die Dramatik der Szene.
  3. Spitzlicht (Backlight): Ein Licht von schräg hinten, das die Konturen des Objekts nachzeichnet und es vom Hintergrund abhebt. Es erzeugt einen feinen Lichtsaum und verleiht der Skulptur zusätzliche Tiefe.

Dieses Prinzip ermöglicht es, von einem durchschnittlichen Bild zu einem professionellen zu kommen, indem es dem Objekt Form und Kontext verleiht.

Für die praktische Umsetzung zu Hause können Sie mit diesen Rezepten experimentieren:

  • Für maximale Dramatik: Verwenden Sie nur ein einziges, hartes Führungslicht mit engem Abstrahlwinkel (10-15°), das von schräg oben kommt. Dies erzeugt lange, harte Schatten und eine sehr theatralische Wirkung.
  • Für weiche, harmonische Modellierung: Kombinieren Sie ein Führungslicht mit einem schwächeren, gedimmten Aufhelllicht (Fill Light). Der Abstrahlwinkel kann hier breiter sein (30-40°), um eine sanftere Ausleuchtung zu erzielen.
  • Für mehr Tiefenwirkung: Fügen Sie ein dezentes Spitzlicht von hinten hinzu, um die Skulptur visuell vom Hintergrund zu lösen.

Die Beleuchtung von Skulpturen ist ein Spiel mit der Wahrnehmung. Sie entscheiden, welche Facetten des Objekts betont und welche in den Schatten gestellt werden. So wird aus einem einfachen Objekt ein Charakter mit einer eigenen Geschichte.

Beginnen Sie noch heute damit, Licht nicht mehr nur als Helligkeit, sondern als aktives Gestaltungswerkzeug zu betrachten. Analysieren Sie Ihr aktuelles Lichtkonzept und identifizieren Sie den ersten, kleinsten Schritt, den Sie zur Verbesserung unternehmen können – sei es der Austausch einer einzigen Glühbirne gegen eine mit hohem CRI oder die Neuausrichtung eines Spots, um Reflexionen zu vermeiden.

Geschrieben von Katja Weber, Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur (AKNW) mit 12 Jahren Erfahrung in der Gestaltung gehobener Wohn- und Geschäftsräume. Spezialistin für Lichtplanung, Hängesysteme und die akustische Integration von Kunst in moderne Architektur.