Veröffentlicht am März 15, 2024

Die perfekte Beleuchtung eines Kunstwerks hat weniger mit Helligkeit zu tun als mit der bewussten Inszenierung seiner Schatten.

  • Der richtige Winkel und die Distanz der Lichtquelle formen die emotionale Wirkung und Tiefe eines Objekts.
  • Die Farbtemperatur (Kelvin) muss zur Seele des Materials passen, um es zum Leben zu erwecken statt es fahl wirken zu lassen.
  • Ein einzelner, klar definierter Schatten ist der Schlüssel zur Dreidimensionalität; Doppelschatten zerstören die Form.

Empfehlung: Betrachten Sie jede Leuchte als Pinsel und jeden Schatten als Farbe, um die Geschichte Ihres Objekts zu erzählen.

Jeder Kunstliebhaber kennt diese Enttäuschung: Eine faszinierende Skulptur oder ein geliebtes Sammlerstück, das tagsüber voller Leben scheint, versinkt am Abend in der diffusen Deckenbeleuchtung des Wohnzimmers. Es wirkt flach, leblos, seiner Tiefe und seines Charakters beraubt. Der Impuls, einfach einen helleren Spot darauf zu richten, führt oft nur zu grellen Reflexionen und harten, unschönen Schatten – das genaue Gegenteil der musealen Eleganz, die man sich wünscht.

Die gängigen Ratschläge beschränken sich oft auf den Kauf dimmbarer LEDs oder die Vermeidung von direktem Licht. Doch diese Ansätze kratzen nur an der Oberfläche. Sie behandeln Licht als reine Notwendigkeit zur Sichtbarmachung, nicht als das, was es wirklich ist: das mächtigste Werkzeug zur Inszenierung. Die wahre Kunst der Objektbeleuchtung liegt nicht darin, die Dunkelheit zu vertreiben, sondern darin, den Schatten zu formen und zu dirigieren. Es ist eine Form der Licht-Dramaturgie, bei der nicht das Objekt selbst, sondern seine durch Licht geformte Wahrnehmung im Mittelpunkt steht.

Aber was, wenn der Schlüssel nicht in der Helligkeit der Lampe, sondern im Winkel des Schattens liegt? Was, wenn die Farbtemperatur die Seele eines Materials offenbaren oder verbergen kann? Dieser Artikel verlässt den Pfad der einfachen Beleuchtungstipps. Wir betreten die Bühne des Lichtdesigns und enthüllen die technischen und dramaturgischen Geheimnisse, mit denen Kuratoren und Lichtdesigner Objekten Leben einhauchen. Wir werden die Sprache des Lichts entschlüsseln, um aus jedem Objekt einen Hauptdarsteller zu machen.

Um diese Transformation zu meistern, werden wir die fundamentalen Aspekte der Lichtinszenierung Schritt für Schritt durchgehen. Von der psychologischen Wirkung des Lichtwinkels über die materialgerechte Wahl der Farbtemperatur bis hin zur Vermeidung technischer Fehler wie Blendung und Doppelschatten – dieser Leitfaden stattet Sie mit dem Wissen eines Profis aus.

Licht von oben oder unten: Welcher Winkel lässt Gesichter von Skulpturen gruselig oder erhaben wirken?

Licht ist niemals neutral. Die Richtung, aus der es auf ein dreidimensionales Objekt trifft, ist der erste und wichtigste Pinselstrich in Ihrer Licht-Dramaturgie. Ein Licht, das direkt von oben kommt (ein sogenanntes „Gefängnislicht“), erzeugt tiefe, harte Schatten in Augenhöhlen und unter dem Kinn einer Skulptur. Das Gesicht wirkt hager, bedrohlich, fast skelettartig. Positionieren Sie dieselbe Lichtquelle jedoch tief unten und strahlen sie nach oben, entsteht der klassische „Gruselfilm-Effekt“: Das Gesicht wird unnatürlich verzerrt, Wangenknochen werfen Schatten nach oben, die Stirn tritt zurück. Diese unheimliche Wirkung entsteht, weil wir es gewohnt sind, dass das primäre Licht (die Sonne) von oben kommt.

Für eine erhabene, heldenhafte oder natürliche Darstellung greifen Profis zur klassischen Drei-Punkt-Beleuchtung, einer fundamentalen Technik aus Theater und Film. Diese Methode schafft Tiefe und modelliert die Form, ohne sie zu verzerren. Stellen Sie sich Ihr Objekt auf einer Bühne vor:

Fallstudie: Die 3-Punkt-Beleuchtung für dramatische Skulpturinszenierung

Das Führungslicht (Key Light) ist der Hauptdarsteller. Es wird in einem 45°-Winkel seitlich und leicht von oben auf das Objekt gerichtet, um charakteristische, formgebende Schatten zu erzeugen. Ein Aufhelllicht (Fill Light), positioniert auf der gegenüberliegenden Seite und mit geringerer Intensität, dient als Nebendarsteller. Es mildert die vom Führungslicht erzeugten Schatten sanft ab, ohne sie zu eliminieren, und bewahrt so die Details in den dunklen Bereichen. Das Gegenlicht (Back Light), oft auch Haar- oder Kantenlicht genannt, wird von hinten auf das Objekt gerichtet. Es trennt die Kontur der Skulptur vom Hintergrund, verleiht ihr eine leuchtende Aura und schafft eine beeindruckende dreidimensionale Tiefe. Diese klassische Technik der Lichtführung ist der Standard in Museen und Galerien, um Plastizität und Volumen meisterhaft zu betonen.

Der Winkel ist also eine bewusste Entscheidung über die emotionale Botschaft. Ein steiler Winkel erzeugt Drama und Spannung, während ein flacherer Winkel von etwa 45 Grad eine harmonische, plastische und realistische Darstellung fördert. Das Spiel mit diesen Winkeln ist der erste Schritt, um vom reinen Ausleuchten zur bewussten Schatten-Skulptur überzugehen.

3000K oder 4000K: Welches Licht lässt Bronze warm glänzen und welches lässt sie stumpf wirken?

Nachdem der Winkel die Form definiert hat, bestimmt die Farbtemperatur des Lichts die Seele des Materials. Gemessen in Kelvin (K), beschreibt sie, ob Licht warm (gelblich-orange), neutral (weiß) oder kalt (bläulich) erscheint. Die falsche Farbtemperatur kann ein Kunstwerk seiner Lebendigkeit berauben, während die richtige seine materielle Essenz zum Leuchten bringt. Es geht um die emotionale Temperatur, die eine perfekte Harmonie zwischen Lichtfarbe und Objektoberfläche herstellt.

Bronze und Messing beispielsweise besitzen von Natur aus warme, goldene bis rötliche Untertöne. Beleuchtet man sie mit einem kühlen, neutralweißen Licht von 4000K, wirken sie fahl, stumpf und fast schmutzig-grau. Die kühle Lichtfarbe konkurriert mit der warmen Materialfarbe und neutralisiert sie. Im Gegensatz dazu erweckt ein warmweißes Licht die Bronze zum Leben. Laut Beleuchtungsexperten eignet sich 3000K warmweißes Licht ideal, um bei Bronze eine einladende Atmosphäre zu schaffen und die natürlichen goldenen Töne des Materials hervorzuheben. Das Metall scheint von innen heraus zu glühen.

Bronzeskulptur unter verschiedenen Lichttemperaturen von 3000K bis 4000K

Diese Regel gilt nicht nur für Bronze. Jedes Material hat seine eigene „emotionale Temperatur“, die durch das Licht entweder unterstrichen oder ausgelöscht werden kann. Eine moderne Skulptur aus kühlem Cortenstahl oder Chrom hingegen würde unter 3000K an Charakter verlieren und vergilbt aussehen. Hier ist ein neutrales bis kühles Licht (4000K oder mehr) die richtige Wahl, um die klaren Linien und die moderne Ästhetik zu betonen.

Die folgende Übersicht zeigt, wie unterschiedlich Materialien auf verschiedene Farbtemperaturen reagieren. Die Daten basieren auf gängigen musealen Praktiken.

Materialien und ihre ideale Farbtemperatur
Material Ideale Farbtemperatur Wirkung
Bronze/Messing 3000K (warmweiß) Betont goldene Töne, schafft Wärme
Sandstein 3000-3500K Natürliche Steinfarben kommen zur Geltung
Cortenstahl 4000K (neutralweiß) Zeigt Rostpatina authentisch
Chrom/Stahl (Bauhaus) 4000-6000K Unterstreicht moderne, klare Linien

Spots richtig ausrichten: Wie beleuchten Sie ein Objekt, ohne dass der Betrachter geblendet wird?

Die brillanteste Lichtinszenierung ist wertlos, wenn der Betrachter durch Blendung gestört wird. Direkte oder indirekte Blendung lenkt das Auge vom Kunstwerk ab und zerstört die sorgfältig aufgebaute Atmosphäre. Die korrekte Ausrichtung der Spots ist daher eine technische Notwendigkeit für eine gelungene Blickführung. Das Ziel ist es, das Licht präzise auf das Objekt zu lenken, während der Lichtkegel selbst und dessen Reflexionen für den Betrachter unsichtbar bleiben.

Die häufigste Fehlerquelle ist ein zu flacher Beleuchtungswinkel oder die Positionierung des Spots direkt gegenüber dem Betrachter. Dies führt zu zwei Problemen: Entweder blickt man direkt in die Lichtquelle, oder – bei glänzenden Oberflächen – die Reflexion des Lichts trifft genau ins Auge. Um dies zu vermeiden, nutzen Profis eine einfache, aber äußerst effektive Faustregel: die 30-Grad-Regel. Sie ist der Schlüssel zu einer blendfreien Beleuchtung von Bildern und Objekten.

Bei der professionellen Objektbeleuchtung wird das Licht in einem 30-Grad-Winkel von der Decke auf die Objektmitte gerichtet. Dieser spezifische Winkel sorgt dafür, dass die Hauptreflexion des Lichts auf den Boden gelenkt wird, weit außerhalb des typischen Sichtfelds eines durchschnittlich großen Betrachters von etwa 1,75 m. So kann man das Objekt betrachten, ohne von störenden Glanzlichtern auf der Oberfläche irritiert zu werden. Zudem sollte ein Abstand von mindestens 1 bis 2 Metern zwischen Spot und Objekt eingehalten werden. Dies verhindert nicht nur Blendung, sondern sorgt auch für ein weicheres, homogeneres Licht und vermeidet unschöne „Hot-Spots“ (punktuelle Überbelichtungen).

Für eine besonders elegante und gleichmäßige Ausleuchtung ganzer Wände, beispielsweise für eine Reihe von Grafiken oder ein großes Gemälde, sind sogenannte Wallwasher mit asymmetrischen Linsen eine hervorragende Lösung. Sie werden nahe an der Wand montiert und verteilen das Licht asymmetrisch über die gesamte vertikale Fläche, was eine schatten- und blendfreie Präsentation ermöglicht.

Akkuleuchten für Vitrinen: Die beste Lösung für Glasvitrinen ohne Stromanschluss

Glasvitrinen stellen eine besondere Herausforderung dar: Sie sollen wertvolle Objekte schützen und zur Geltung bringen, doch oft fehlt der entscheidende Stromanschluss für eine interne Beleuchtung. Kabel von außen zu verlegen ist unästhetisch und zerstört die schwebende Eleganz einer freistehenden Vitrine. Hier betreten moderne Akku-LED-Spots die Bühne und bieten eine flexible und ästhetisch überlegene Lösung. Sie ermöglichen eine präzise Lichtinszenierung genau dort, wo sie gebraucht wird, ohne bauliche Kompromisse.

Die technologische Entwicklung hat diese kabellosen Lichtquellen enorm leistungsfähig gemacht. Während frühere Modelle oft mit schwachem Licht und kurzen Laufzeiten zu kämpfen hatten, zeigen aktuelle Markttests, dass moderne Akku-LED-Spots für Vitrinen Laufzeiten von bis zu 100 Stunden bei voller Helligkeit erreichen können. Das bedeutet, dass bei einer typischen Nutzung von wenigen Stunden am Abend eine einzige Akkuladung für mehrere Wochen ausreicht. Viele Modelle verfügen zudem über magnetische Befestigungen, die eine flexible und unsichtbare Positionierung an metallischen Decken oder Böden der Vitrine erlauben.

Doch nicht jede Akkuleuchte ist für die Beleuchtung wertvoller Kunst geeignet. Bei der Auswahl müssen Kriterien beachtet werden, die weit über die reine Akkukapazität hinausgehen. Empfindliche Materialien wie Aquarelle, Textilien oder antikes Papier können durch UV-Strahlung, die auch von LEDs in geringem Maße emittiert wird, dauerhaft geschädigt werden. Ebenso entscheidend ist eine naturgetreue Farbwiedergabe. Ein hoher Farbwiedergabeindex (CRI) von über 90 ist unerlässlich, damit die Farben des Objekts nicht verfälscht, sondern authentisch dargestellt werden.

Ihre Checkliste für die kabellose Bühnenreife: Auswahl von Akku-Vitrinenleuchten

  1. Akkukapazität prüfen: Wählen Sie Modelle mit mindestens 2000 mAh für einen sorgenfreien Betrieb über mehrere Wochen.
  2. UV-Schutz sicherstellen: Achten Sie auf einen integrierten UV-Filter, um empfindliche und wertvolle Objekte vor Verblassen und Materialschäden zu schützen.
  3. Flexible Befestigung wählen: Eine magnetische Halterung ermöglicht eine einfache, flexible und spurenlose Positionierung und Neuausrichtung der Leuchte.
  4. Smarte Steuerung in Betracht ziehen: Modelle mit Zigbee- oder Bluetooth-Kompatibilität lassen sich in Smart-Home-Systeme integrieren und über Timer automatisch steuern.
  5. Einstellbare Farbtemperatur fordern: Die Möglichkeit, zwischen 2700K und 4000K zu wechseln, bietet Flexibilität für verschiedene Materialien in der Vitrine.
  6. Hohen CRI-Wert priorisieren: Ein CRI-Wert von über 90 ist ein Muss für eine naturgetreue und unverfälschte Wiedergabe der Objektfarben.

Doppelschatten vermeiden: Warum Sie niemals zwei Spots aus gleicher Distanz auf ein Objekt richten sollten

In der Licht-Dramaturgie gibt es eine Todsünde: den Doppelschatten. Er entsteht, wenn zwei Lichtquellen mit ähnlicher Intensität aus unterschiedlichen Richtungen auf ein Objekt treffen. Das Ergebnis ist eine visuelle Verwirrung. Statt eines klaren, formgebenden Schattens, der dem Objekt Volumen und Verankerung im Raum gibt, entstehen zwei konkurrierende, sich überlagernde Schatten. Das Objekt wirkt unruhig, flach und seine Konturen verschwimmen. Es ist, als würden zwei Regisseure gleichzeitig widersprüchliche Anweisungen geben.

Der renommierte Schweizer Lichtdesigner Dan Hostettler fasst dieses Prinzip prägnant zusammen. In seinem Leitfaden zur Lichtsetzung betont er:

Ein einzelner, klar definierter Schatten gibt dem Objekt Form und Verankerung im Raum. Doppelschatten verwirren das Auge und machen das Objekt unruhig.

– Dan Hostettler, Four Point Light Setup Guide

Dieses Problem tritt häufig auf, wenn man versucht, ein Objekt „von allen Seiten gut auszuleuchten“. Doch Beleuchtung ist nicht Demokratie; es braucht eine klare Hierarchie. Hier kommt die „Hauptdarsteller-Nebendarsteller-Regel“ ins Spiel, die direkt aus der Drei-Punkt-Beleuchtung abgeleitet ist. Ihr Führungslicht (Key Light) ist der unangefochtene Hauptdarsteller. Es ist für den primären, stärksten und charaktervollsten Schatten verantwortlich. Jede weitere Lichtquelle, wie das Aufhelllicht (Fill Light), ist ein Nebendarsteller, dessen einzige Aufgabe es ist, dem Hauptdarsteller zu dienen.

Um einen störenden zweiten Schatten zu vermeiden, muss das Aufhelllicht deutlich schwächer sein als das Führungslicht. Eine professionelle Faustregel in Fotostudios und Galerien ist ein Helligkeitsverhältnis von 2:1. Das bedeutet, das Führungslicht ist doppelt so stark wie das Aufhelllicht. Dieser Unterschied entspricht etwa einer Blendenstufe in der Fotografie und ist genau das richtige Maß, um die Schatten aufzuhellen und Details sichtbar zu machen, ohne einen eigenen, konkurrierenden Schatten zu werfen. Das Ergebnis ist eine perfekte Schatten-Skulptur: plastisch, tief und harmonisch.

Lichtvouten und LED-Strips: Wie Sie Kunst indirekt beleuchten, um eine Lounge-Atmosphäre zu schaffen

Nicht jede Kunstinszenierung verlangt nach dem dramatischen Fokus eines Spots. Manchmal ist das Ziel eine sanfte, raumgreifende Atmosphäre, in der die Kunst Teil eines harmonischen Ganzen wird. Hierfür ist indirektes Licht, erzeugt durch Lichtvouten und LED-Strips, das Mittel der Wahl. Anstatt das Objekt direkt anzustrahlen, wird das Licht gegen eine Wand oder Decke gerichtet, von wo aus es weich und diffus in den Raum reflektiert wird. Es entsteht eine atmosphärische Grundierung, die den Raum in ein homogenes, schattenarmes Licht taucht – ideal für eine entspannte Lounge-Atmosphäre.

Diese Technik eignet sich hervorragend, um eine ganze Wand mit Kunstwerken als Einheit zu präsentieren, ohne einzelne Stücke hervorzuheben. Die Integration in die Architektur ist dabei entscheidend für eine elegante Wirkung. In deutschen Wohnräumen bieten sich dafür spezifische Lösungen an. In einem Altbau mit klassischem Stuck können LED-Strips oft unsichtbar in die vorhandenen Stuckleisten integriert werden. Das Licht scheint dann sanft an der Decke entlang und erhellt den Raum indirekt. Im Neubau lässt sich durch eine leicht abgehängte Decke eine sogenannte Schattenfuge realisieren – ein schmaler Spalt zur Wand, in dem der LED-Strip verborgen wird.

Für eine professionelle Ausführung sind zwei Komponenten entscheidend: Aluminiumprofile und opale Abdeckungen. Die Profile dienen nicht nur der Kühlung und verlängern so die Lebensdauer der LEDs, sondern sorgen auch für eine gerade und stabile Montage. Die milchig-weißen (opalen) Abdeckungen streuen das Licht und verhindern, dass einzelne LED-Punkte sichtbar werden. Das Ergebnis ist eine durchgehende, homogene Lichtlinie. Um innerhalb dieser sanften Atmosphäre gezielte Akzente zu setzen, kann die indirekte Beleuchtung mit einzelnen, stark gebündelten Pin-Spots kombiniert werden, die ein einzelnes Objekt hervorheben.

Die moderne LED-Technologie bietet dabei eine Fülle von kreativen Möglichkeiten. „Tunable White“-Strips erlauben eine flexible Anpassung der Farbtemperatur je nach Tageszeit, während „Dim-to-Warm“-Technologie das Verhalten klassischer Glühbirnen imitiert und beim Dimmen wärmer wird.

Spots oder Streulicht: Wie beleuchten Sie glänzende Ölbilder ohne störende Reflexionen?

Glänzende Oberflächen, wie sie bei lackierten Ölgemälden, Fotografien hinter Glas oder glasierten Keramiken vorkommen, sind der Endgegner jeder Lichtinszenierung. Ein direkt darauf gerichteter Spot erzeugt unweigerlich einen grellen, spiegelnden Lichtfleck – ein sogenanntes „Glanzlicht“ oder „Hot-Spot“. Dieses überstrahlt nicht nur die Details und Farben des Kunstwerks, sondern reflektiert auch die Lichtquelle selbst und reißt den Betrachter brutal aus der Kunsterfahrung. Die Lösung liegt in der Wahl der richtigen Technik: weg vom punktuellen Spot, hin zum großflächigen, gestreuten Licht.

Die eleganteste und in Museen am häufigsten eingesetzte Methode ist die Wallwasher-Technik. Ein Wallwasher ist eine spezielle Leuchte mit einer asymmetrischen Linse, die einen breiten, fächerförmigen Lichtkegel erzeugt. An der Decke montiert, leuchtet sie eine komplette Wandfläche von oben bis unten gleichmäßig aus. Anstatt eines konzentrierten Lichtpunkts erzeugt sie einen seidenen Vorhang aus Licht. Diese homogene Ausleuchtung eliminiert jegliche Hot-Spots und Reflexionen, da die Lichtintensität über eine große Fläche verteilt wird und keine punktuelle Überbelichtung auf der glänzenden Öloberfläche stattfindet. Ein einzelner Wallwasher ist dabei mehreren Spots vorzuziehen, da er multiple Reflexionspunkte von vornherein vermeidet.

Auch bei der Verwendung von Wallwashern bleibt die 30-Grad-Regel relevant. Der Lichtstrahl sollte idealerweise in einem Winkel von 30 Grad auf die Bildmitte treffen, um sicherzustellen, dass eventuelle Restreflexionen auf den Boden und nicht ins Auge des Betrachters gelenkt werden. Bei extrem glänzenden Objekten, beispielsweise hinter hochspiegelndem Acrylglas, kann als ultimative Lösung ein Polarisationsfilter eingesetzt werden. Ähnlich wie bei einer polarisierten Sonnenbrille eliminieren diese Filter, die vor der Leuchte und/oder dem Objekt angebracht werden, physikalisch nahezu alle Glanzlichter. Dies ist jedoch eine fortgeschrittene Technik, die meist professionellen Installationen vorbehalten ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dramaturgie vor Helligkeit: Der Winkel und die Hierarchie der Lichtquellen (Führungs-, Füll-, Gegenlicht) bestimmen die emotionale Wirkung und sind wichtiger als die reine Leuchtkraft.
  • Materialgerechte Farbtemperatur: Die Wahl der Kelvin-Zahl (z.B. 3000K für Bronze, 4000K für Stahl) ist entscheidend, um die „Seele des Materials“ zum Vorschein zu bringen.
  • Ein Schatten regiert sie alle: Ein einzelner, klar definierter Schatten schafft Tiefe und Form. Doppelschatten durch konkurrierende Lichtquellen müssen unbedingt vermieden werden.

Warum wirkt Ihre moderne Kunst abends fahl und wie ändern Sie das mit dem richtigen Licht (Kelvin)?

Sie haben in ein farbintensives, modernes Kunstwerk investiert, doch sobald die Dämmerung einsetzt, scheinen die leuchtenden Farben zu verblassen. Das strahlende Blau wirkt gräulich, das satte Rot kraftlos. Dieses Phänomen ist oft nicht auf das Kunstwerk, sondern auf die Qualität Ihres Lichts zurückzuführen. Standard-LEDs für den Hausgebrauch besitzen oft einen niedrigen Farbwiedergabeindex (CRI), der die Wahrhaftigkeit der Farbe beeinträchtigt. Der CRI-Wert gibt auf einer Skala bis 100 an, wie naturgetreu eine künstliche Lichtquelle Farben im Vergleich zum Sonnenlicht wiedergibt.

Ein typischer CRI von 80, wie er bei vielen günstigen Leuchtmitteln üblich ist, mag für die allgemeine Raumbeleuchtung ausreichen, für die Kunstbeleuchtung ist er jedoch fatal. Studien zur Farbwiedergabe zeigen, dass LEDs mit einem CRI von 80 satte Rot- und Blautöne um bis zu 30% vergrauen lassen, während eine LED in Galeriequalität mit einem CRI von über 95 diese Farben korrekt und brillant darstellt. Für Kunstwerke, deren Wirkung auf subtilen Farbnuancen und intensiven Pigmenten beruht, ist ein hoher CRI-Wert daher keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit.

Bei moderner, farbintensiver Kunst kommt ein weiterer Aspekt hinzu: die dynamische Beleuchtung. Die abstrakten und komplexen Werke von Künstlern wie Gerhard Richter sind ein perfektes Beispiel. Ihre Wirkung verändert sich stark je nach Lichtstimmung. Museen nutzen hier oft „Tunable White“-Leuchten, die ihre Farbtemperatur dem natürlichen Tagesverlauf anpassen können. Ein neutrales Licht von 4000K am Nachmittag enthüllt die analytische Komplexität der Farbschichten und Pinselstriche. Am Abend hingegen schafft ein Wechsel zu wärmeren 3000K eine intimere, emotionalere Betrachtungsatmosphäre, die die Gesamtkomposition in den Vordergrund rückt, ohne die Farbbalance zu zerstören.

Die Investition in hochwertige Leuchtmittel mit hohem CRI und idealerweise einstellbarer Farbtemperatur ist also eine Investition in das Kunstwerk selbst. Nur so stellen Sie sicher, dass die Vision des Künstlers auch nach Sonnenuntergang in ihrer vollen Pracht erstrahlt und Ihr Kunstwerk nicht zu einem fahlen Schatten seiner selbst wird.

Jetzt sind Sie mit dem Wissen eines Lichtdesigners ausgestattet. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Objekte nicht nur zu beleuchten, sondern sie in Szene zu setzen und ihre Geschichten durch den gezielten Einsatz von Licht und Schatten zu erzählen.

Geschrieben von Katja Weber, Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur (AKNW) mit 12 Jahren Erfahrung in der Gestaltung gehobener Wohn- und Geschäftsräume. Spezialistin für Lichtplanung, Hängesysteme und die akustische Integration von Kunst in moderne Architektur.