Veröffentlicht am April 12, 2024

Zusammenfassend:

  • Bauhaus-Fotografie ist mehr als Geometrie; es geht darum, die Philosophie von Funktion und Material visuell zu übersetzen.
  • Nutzen Sie das späte Abendlicht, um die Textur von Betonfassaden (Materialehrlichkeit) herauszuarbeiten, anstatt nur bei Mittagssonne zu fotografieren.
  • Die Panoramafreiheit (§ 59 UrhG) erlaubt Ihnen das Fotografieren von öffentlichen Wegen aus, auch ohne Stativ.
  • Eine gute Fotoserie für Instagram erzählt eine Geschichte: von der Totalen der Fassade bis zum Detail des Türgriffs.

Sie laufen durch Ihre Stadt und sehen sie überall: diese klaren, kubischen Gebäude mit ihren weißen Fassaden und den langen Fensterbändern. Sie spüren die Ästhetik des Bauhaus, zücken Ihr Smartphone, machen ein Foto – und sind enttäuscht. Das Bild wirkt flach, die Linien kippen, die besondere Atmosphäre ist verschwunden. Viele Ratgeber empfehlen dann eine Pilgerreise nach Dessau oder Weimar und den Kauf teurer Ausrüstung. Doch das ist oft gar nicht nötig.

Die gängigen Tipps, wie die Nutzung eines Stativs oder das Fotografieren zur Goldenen Stunde, kratzen nur an der Oberfläche. Sie behandeln jedes Gebäude gleich, obwohl die Essenz des Bauhaus in seiner einzigartigen Philosophie liegt. Die wahre Herausforderung besteht nicht darin, ein Gebäude abzubilden, sondern seine visuelle Grammatik zu verstehen und für Plattformen wie Instagram zu übersetzen.

Aber was, wenn der Schlüssel nicht in der perfekten Ausrüstung, sondern im perfekten Verständnis liegt? Was, wenn man lernen könnte, Licht als Baumaterial zu sehen, rechtliche Grauzonen zu navigieren und die Seele eines Gebäudes in einer Serie von nur fünf Bildern einzufangen? Dieser Artikel ist Ihr visueller Kompass. Er zeigt Ihnen, wie Sie die Bauhaus-Philosophie in Ihre Fotografie integrieren, um Bilder zu schaffen, die nicht nur abbilden, sondern erzählen – direkt in Ihrer eigenen Stadt.

Dieser Leitfaden führt Sie durch alle Aspekte der Bauhaus-Fotografie, von der Wahl des richtigen Lichts über rechtliche Grundlagen bis hin zur perfekten Bildkomposition für soziale Medien oder die eigenen vier Wände. Der folgende Inhalt gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir behandeln werden.

Licht und Schatten an Fassaden: Warum Sie Betongebäude am besten kurz vor Sonnenuntergang fotografieren

In der Bauhaus-Philosophie ist Licht kein Zufall, sondern ein bewusst eingesetztes Baumaterial. Es formt Räume, schafft Atmosphären und enthüllt die Textur der Oberflächen. Für Ihre Fotografie bedeutet das: Betrachten Sie Licht nicht als reine Beleuchtung, sondern als einen aktiven Bildhauer. Hartes Mittagslicht lässt Betonfassaden flach und uninteressant erscheinen, weil es die feinen Details und die Materialehrlichkeit, ein Kernprinzip des Bauhaus, auslöscht. Es eliminiert die Schatten, die für die Definition von Form und Tiefe unerlässlich sind.

Der entscheidende Moment für die Fotografie von Bauhaus-Architektur ist daher das Seitenlicht. Kurz vor Sonnenuntergang, während der sogenannten Goldenen Stunde, streift das warme Licht die Fassaden in einem flachen Winkel. Dieser Effekt wirkt wie ein Pinsel, der jede Unebenheit im Waschbeton, jede Fuge und jede Kante nachzeichnet. Die Textur wird greifbar, das Gebäude gewinnt an Dreidimensionalität. Die langen, dramatischen Schatten, die dabei entstehen, betonen die geometrische Klarheit der Baukörper und verleihen dem Bild eine dynamische Spannung.

Ein ebenso magischer Moment ist die Blaue Stunde, kurz nach Sonnenuntergang. Der Himmel taucht in ein tiefes Blau, während die künstliche Innenbeleuchtung der Gebäude sichtbar wird. Dieser Kontrast zwischen warmer Innenwelt und kühler Außenhülle ist besonders bei den typischen großen Fensterflächen des Bauhaus wirkungsvoll. Wie die professionelle Dokumentation der Meisterhäuser in Dessau zeigt, entstehen so Bilder, die nicht nur die architektonische Form, sondern auch die Funktion des Wohnens und Arbeitens visualisieren. Nutzen Sie auch bewölkte Tage: Das diffuse Licht verhindert harte Schatten und ermöglicht eine ehrliche, fast dokumentarische Darstellung der Materialien.

Stativ verboten? Wo Sie in deutschen Städten ohne Genehmigung Architektur fotografieren dürfen und wo nicht

Die Vorstellung, für das perfekte, gestochen scharfe Architekturfoto immer ein Stativ aufbauen zu müssen, ist eine der größten Hürden für spontane Stadterkundungen. Oftmals sind Stative in belebten Innenstädten oder auf Privatgrundstücken ohne Genehmigung verboten. Die gute Nachricht: Die Rechtslage in Deutschland ist für Fotografen oft günstiger als gedacht, und es gibt Techniken, um auch ohne Stativ beeindruckende Ergebnisse zu erzielen.

Die entscheidende rechtliche Grundlage ist die sogenannte Panoramafreiheit. Laut deutschem Urheberrecht ist die Fotografie von Gebäuden, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, von eben diesen aus ohne Genehmigung gestattet. Das bedeutet, solange Sie auf dem Bürgersteig stehen und nicht auf privates Gelände (wie einen Innenhof oder Garten) gehen, dürfen Sie die Außenansicht eines Gebäudes fotografieren und diese Bilder auch – für nicht-kommerzielle Zwecke – auf Instagram posten.

Doch wie gelingen scharfe Aufnahmen ohne Stativ, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen? Der Schlüssel liegt darin, den eigenen Körper und die urbane Umgebung als Stativ-Ersatz zu nutzen. Anstatt frei zu stehen, lehnen Sie sich und Ihre Kamera stabil an eine Wand, einen Laternenpfahl oder eine Brüstung. Drücken Sie die Ellenbogen fest an Ihren Körper, halten Sie den Atem an, während Sie auslösen, und nutzen Sie den Serienbildmodus, um aus mehreren Aufnahmen die schärfste auszuwählen. Moderne Kameras und Smartphones mit Bildstabilisatoren sind hierbei extrem hilfreich.

Fotograf lehnt sich an Laternenpfahl zur Stabilisierung der Kamera

Diese Technik zwingt Sie, neue Perspektiven zu finden und kreativ mit Ihrer Umgebung zu interagieren. Sie werden feststellen, dass die besten Winkel oft von Orten aus entstehen, an denen ein Stativ ohnehin unpraktisch wäre. Das Foto wird dadurch nicht nur technisch sauber, sondern auch dynamischer und authentischer.

Stürzende Linien korrigieren: Wie Sie hohe Gebäude fotografieren, ohne dass sie nach hinten kippen

Eines der frustrierendsten Phänomene in der Architekturfotografie sind die stürzenden Linien. Sie richten Ihre Kamera nach oben, um ein hohes Bauhaus-Gebäude zu erfassen, und auf dem Foto scheint es, als würde das Gebäude nach hinten kippen. Senkrechte Linien konvergieren zu einem Punkt am oberen Bildrand. Dieser Effekt entsteht durch die physikalische Perspektive, widerspricht aber fundamental der Bauhaus-Ästhetik, die auf reiner, orthogonaler Geometrie basiert. Die visuelle Grammatik des Bauhaus ist eine von Geraden und rechten Winkeln; stürzende Linien sind ein grammatikalischer Fehler.

Die professionellste Lösung sind teure Tilt-Shift-Objektive, doch für Instagram-Fotografen gibt es weitaus zugänglichere Methoden. Die einfachste physische Korrektur ist die Positionierung: Suchen Sie einen erhöhten Standpunkt, etwa ein gegenüberliegendes Parkhaus oder ein Fenster in einem anderen Gebäude. Wenn Sie das Bauwerk von einer Position auf halber Höhe fotografieren, halten Sie die Kamera parallel zur Fassade und die Linien bleiben gerade. Ist das nicht möglich, hilft die digitale Nachbearbeitung. Apps wie SKRWT oder die Perspektivkorrektur in Adobe Lightroom Mobile sind speziell dafür entwickelt worden. Mit wenigen Handgriffen können Sie die vertikalen Linien wieder perfekt ausrichten.

Die Linien wurden in der Bildbearbeitung ausgerichtet. Mit Stativ und in leichtem Weitwinkel (35 mm) kurz nach Sonnenuntergang fotografiert.

– DigitalPHOTO Redaktion, Die 10 besten Architekturfotos aus unserem Fotowettbewerb 2024

Eine weitere Technik ist, bewusst mehr Raum um das Gebäude herum zu lassen. Nutzen Sie ein Weitwinkelobjektiv und planen Sie, das Bild später zuzuschneiden. Durch die digitale Korrektur geht immer ein Teil des Bildrandes verloren. Wenn Sie von vornherein 30% „Puffer“ einplanen, haben Sie genügend Spielraum für eine perfekte Komposition. Manchmal kann man die stürzenden Linien aber auch bewusst als Stilmittel einsetzen. Eine extreme Froschperspektive kann die utopische und monumentale Vision einiger Bauhaus-Entwürfe sogar unterstreichen – ein kreativer Bruch mit den Regeln, der Spannung erzeugt.

Verlassene Schönheit: Wie finden Sie legale Lost Places mit architektonischem Wert?

Verlassene Gebäude üben eine besondere Faszination aus. Der Verfall, die Stille und das Spiel von Licht und Schatten in leeren Räumen erzählen Geschichten von vergangener Zeit. Gerade ehemalige Industrieanlagen, Krankenhäuser oder Verwaltungsgebäude im Bauhaus-Stil sind begehrte Motive. Doch die Suche nach diesen „Lost Places“ ist oft mit rechtlichen Risiken verbunden, da das Betreten meist Hausfriedensbruch darstellt. Es gibt jedoch legale Wege, um Zugang zu diesen architektonischen Juwelen zu erhalten.

Eine der besten Gelegenheiten bietet der jährliche Tag des offenen Denkmals. An diesem Tag öffnen Tausende von historisch bedeutsamen Orten ihre Türen für die Öffentlichkeit, die sonst nicht zugänglich sind. Beim jährlichen Tag des offenen Denkmals ermöglichen Institutionen den Zugang zu Objekten, die perfekt für Ihre Fotografie sind. Allein 2024 waren es über 6.000 Denkmäler, darunter zahlreiche Bauhaus-Objekte, die legal erkundet werden konnten. Informieren Sie sich im Vorfeld über das Programm in Ihrer Region und planen Sie Ihre Fototour gezielt.

Verlassene Bauhaus-Fabrikhalle mit dramatischem Lichteinfall durch zerbrochene Fenster

Ein weiterer, oft übersehener Weg ist der direkte Kontakt zu Institutionen. Universitäten, Stiftungen oder Denkmalämter sind oft Eigentümer historischer Gebäude und haben ein Interesse an deren Dokumentation. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Bauhaus-Universität Weimar: Für den Tag des offenen Denkmals 2024 öffnete sie gezielt Gebäude mit einer problematischen NS-Vergangenheit. Unter dem Titel „Ärztehaus, Rasseamt, Ghettohaus“ wurden Führungen und Fotomöglichkeiten an Orten angeboten, die normalerweise verschlossen sind. Eine höfliche Anfrage bei der Pressestelle oder dem zuständigen Institut, in der Sie Ihr fotografisches Interesse darlegen, kann Ihnen Türen öffnen, die anderen verschlossen bleiben.

Fassade oder Türklinke: Wie Sie eine Foto-Serie gestalten, die die Seele des Gebäudes einfängt

Ein einzelnes Foto einer Fassade mag beeindruckend sein, aber es erzählt selten die ganze Geschichte. Die Philosophie des Bauhaus liegt im Detail, im Zusammenspiel von Form und Funktion, vom großen Ganzen bis zur kleinsten Komponente. Um die Seele eines Gebäudes für eine visuelle Plattform wie Instagram wirklich einzufangen, ist eine Fotoserie in Form eines Karussell-Posts die stärkste Waffe. Sie erlaubt Ihnen, eine visuelle Erzählung zu schaffen, die den Betrachter auf eine Entdeckungsreise mitnimmt.

Eine wirkungsvolle Serie folgt einer klaren Dramaturgie, ähnlich einer Filmszene. Sie beginnt mit einer totalen Aufnahme, um den Kontext zu schaffen, und zoomt dann immer weiter in die Details hinein, die den Charakter des Gebäudes ausmachen. Dies spiegelt wider, wie wir Architektur in der Realität erleben: Zuerst sehen wir die Silhouette, dann die Struktur der Fassade, und schließlich bemerken wir die Textur der Materialien oder die Form eines Türgriffs. Jedes Bild in der Serie sollte eine neue Facette der Bauhaus-Idee beleuchten.

Die Kunst besteht darin, eine kohärente Geschichte zu erzählen, die über die reine Dokumentation hinausgeht. Fragen Sie sich: Was ist das herausragendste Merkmal dieses Gebäudes? Sind es die Fensterbänder, die das Licht ins Innere leiten? Ist es die radikale Reduktion auf kubische Formen? Oder ist es der Kontrast zwischen rohem Beton und filigranem Stahl? Ihre Fotoserie sollte diese eine zentrale Idee aus verschiedenen Perspektiven beleuchten und in der Caption erklären, welche gestalterische Absicht dahintersteckt. So wird aus einer Ansammlung von Bildern eine tiefgründige Analyse.

Ihr Plan für ein wirkungsvolles Bauhaus-Karussell auf Instagram

  1. Bild 1 (Totale): Beginnen Sie mit einem „Establishing Shot“. Zeigen Sie das gesamte Gebäude in seiner Umgebung, um Kontext und Maßstab zu vermitteln.
  2. Bild 2 (Struktur): Fokussieren Sie auf ein charakteristisches Strukturelement. Das können die horizontalen Fensterbänder, die auskragenden Balkone oder die rhythmische Anordnung der Stützen sein.
  3. Bild 3 (Detail): Gehen Sie nah ran. Fotografieren Sie ein ikonisches Detail, wie einen originalen Gropius-Türgriff, die Typografie der Hausnummer oder die Verbindung zweier Materialien.
  4. Bild 4 (Material): Erfassen Sie die „Materialehrlichkeit“. Eine extreme Nahaufnahme der Textur von Waschbeton, der Maserung einer Holzverkleidung oder der Reflexion in einer Glasfassade.
  5. Bild 5 (Mensch & Raum): Zeigen Sie das Gebäude in Nutzung. Eine Person, die durch eine Tür geht oder am Fenster steht, verleiht dem Bild Leben und zeigt die Relation zwischen Mensch und Architektur.

Fluchtlinien nutzen: Wie ein Bild mit zentraler Perspektive einen schmalen Flur optisch verlängert

Fluchtlinien sind eines der mächtigsten Werkzeuge in der visuellen Grammatik eines Fotografen. Sie sind die unsichtbaren Linien, die in die Tiefe des Bildes führen und das Auge des Betrachters leiten. In der Bauhaus-Architektur sind diese Linien selten zufällig. Sie sind das Ergebnis einer bewussten Gestaltung, die auf Funktionalität und Rationalität abzielt. Ein langer, gerader Flur ist nicht nur ein Verbindungsweg, er ist ein Statement über Bewegung und Ordnung. Ihre Aufgabe als Fotograf ist es, diese Intention sichtbar zu machen.

Die Zentralperspektive ist hierfür die effektivste Technik. Positionieren Sie Ihre Kamera exakt in der Mitte eines Ganges oder Flurs und richten Sie sie geradeaus auf den Fluchtpunkt am Ende. Alle Linien – die Kanten von Boden und Decke, die Türrahmen, die Fensterreihen – laufen auf diesen einen Punkt zu. Diese symmetrische Anordnung erzeugt ein Gefühl von Tiefe, Ordnung und fast sogartiger Bewegung. Das Bild zieht den Betrachter förmlich in den Raum hinein und lässt den Flur länger und großzügiger erscheinen, als er vielleicht in Wirklichkeit ist.

Ein perfektes Fallbeispiel ist der berühmte Flur im Bauhaus Dessau. Walter Gropius‘ Design mit seinen präzisen Linien und den rhythmisch platzierten runden Fenstern demonstriert, wie die Architektur selbst die Wahrnehmung des Raumes lenkt. Fotografien dieses Flurs, die die Zentralperspektive meisterhaft einsetzen, unterstreichen genau diesen Dialog zwischen Form und Funktion. Sie zeigen nicht nur einen Gang, sondern visualisieren das Konzept der rationalen Raumaufteilung. Suchen Sie in Bauhaus-Gebäuden gezielt nach solchen Achsen – Treppenhäuser, lange Korridore, Arkadengänge – und nutzen Sie die Zentralperspektive, um ihre architektonische Absicht zu enthüllen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Licht als Werkzeug: Nutzen Sie das weiche, seitliche Licht der Goldenen und Blauen Stunde, um die Textur und Form von Bauhaus-Fassaden zu modellieren, anstatt sie nur zu beleuchten.
  • Rechtliche Sicherheit: Die Panoramafreiheit (§ 59 UrhG) ist Ihr bester Freund. Fotografieren Sie von öffentlichen Wegen aus, um rechtliche Probleme bei der Veröffentlichung zu vermeiden.
  • Visuelle Erzählung: Erzählen Sie eine Geschichte. Eine Fotoserie für Instagram, die von der Totalen bis zum Detail zoomt, fängt die Seele eines Gebäudes besser ein als ein einzelnes Bild.

Fotos von Gebäuden: Welche Architektur-Ikone dürfen Sie nicht als Foto im Wartezimmer hängen?

Sie haben das perfekte Foto einer Bauhaus-Ikone geschossen und möchten es nun als Kunstdruck verkaufen oder zur Dekoration Ihrer Geschäftsräume, etwa eines Wartezimmers, nutzen. Hier betreten Sie den Bereich der kommerziellen Nutzung, und die Regeln ändern sich drastisch. Während die Panoramafreiheit Ihnen erlaubt, Fotos für Ihren privaten Instagram-Account zu machen, schützt sie Sie nicht automatisch, wenn Geld im Spiel ist. Die entscheidende Frage lautet: Ist das Gebäude selbst oder ein daran angebrachtes Kunstwerk urheberrechtlich geschützt?

Grundsätzlich sind Bauwerke als solche oft urheberrechtlich geschützt, wenn sie eine ausreichende Schöpfungshöhe erreichen, was bei Architektur-Ikonen fast immer der Fall ist. Die Panoramafreiheit stellt hier eine Ausnahme dar, aber nur für die Außenansicht. Sobald Sie das Foto kommerziell nutzen – also verkaufen, in der Werbung einsetzen oder zur Aufwertung von Geschäftsräumen verwenden – können die Architekten oder deren Erben Ansprüche geltend machen. Dasselbe gilt für fest installierte Kunst am Bau, die oft nicht von der Panoramafreiheit gedeckt ist. Ein Close-up einer Skulptur an einer Fassade kann bereits eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Besondere Vorsicht ist auch bei Nachtaufnahmen geboten. Die Beleuchtung eines Gebäudes selbst ist meist unproblematisch. Handelt es sich jedoch um eine spezielle, temporäre Lichtinstallation eines Künstlers, ist diese Installation als eigenständiges Werk urheberrechtlich geschützt. Ein Foto davon zu verkaufen, würde die Rechte des Lichtkünstlers verletzen. Bevor Sie also ein Architekturfoto kommerziell einsetzen, ist eine genaue Recherche oder sogar die Einholung einer Lizenz unerlässlich.

Die folgende Tabelle gibt einen vereinfachten Überblick über die Nutzungsrechte, basierend auf typischen Preisen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Architekturfotografie in Deutschland. Die Daten stammen aus einer Analyse von Branchenpreisen.

Kommerzielle Nutzungsrechte für Bauhaus-Fotografie
Nutzungsart Erlaubt Lizenzgebühren Besonderheiten
Private Social Media Ja Keine Solange nicht monetarisiert
Kunstdruck für Praxis Mit Einschränkungen 50-250€ pro Bild Abhängig vom Gebäude
Kommerzielle Werbung Nur mit Genehmigung 250€ aufwärts Eigentümer-Erlaubnis nötig
Redaktionelle Nutzung Ja Meist keine Pressefreiheit greift

Wie wählen Sie Architekturfotografie aus, die Ihren Raum größer und moderner wirken lässt?

Architekturfotografie ist nicht nur eine Kunstform, sondern auch ein mächtiges Werkzeug der Innenraumgestaltung. Ein gut gewähltes Bild kann einen Raum optisch vergrößern, ihm eine moderne Ästhetik verleihen und eine bestimmte Atmosphäre schaffen. Bauhaus-Fotografie eignet sich hierfür besonders gut, da ihre klaren Linien, ihre minimalistische Geometrie und ihr Fokus auf Licht und Raum perfekt mit modernen Einrichtungskonzepten harmonieren. Doch nicht jedes Bauhaus-Foto hat die gleiche Wirkung.

Um einen Raum größer wirken zu lassen, sollten Sie nach Bildern mit viel negativem Raum suchen. Das sind Fotografien, bei denen das Gebäude nur einen Teil des Bildes einnimmt und von großen Flächen Himmel oder einer leeren Wand umgeben ist. Diese Leere gibt dem Auge des Betrachters Raum zum Atmen und erzeugt ein Gefühl von Offenheit und Weite. Minimalistische Kompositionen, die ein einzelnes architektonisches Detail isolieren, wirken ebenfalls sehr modern und aufgeräumt. Sie lenken den Fokus auf die reine Form und vermeiden visuelle Unruhe.

Eine weitere effektive Strategie ist die Wahl von monochromen Aufnahmen. Schwarzweiß-Fotografien reduzieren das Motiv auf seine Essenz: Linien, Formen, Kontraste und Texturen. Sie wirken zeitlos, elegant und betonen die geometrische Klarheit des Bauhaus auf unnachahmliche Weise. Wenn Sie Farbe bevorzugen, suchen Sie nach Bildern, die gezielt mit den Primärfarben des Bauhaus – Rot, Gelb, Blau – als Akzente arbeiten. Ein Foto einer ansonsten grauen Betonfassade mit einer einzigen leuchtend roten Tür kann zum zentralen Blickfang eines Raumes werden, ohne ihn zu überladen. Abstrakte Aufnahmen, die Fassadendetails ohne erkennbaren Kontext zeigen, funktionieren wie moderne Kunstwerke und verleihen jedem Raum eine intellektuelle, designorientierte Note.

Die Auswahl des richtigen Bildes ist eine bewusste gestalterische Entscheidung. Betrachten Sie die Kriterien für eine moderne Raumwirkung, um das perfekte Foto für Ihre Wände zu finden.

Nachdem Sie nun die Techniken und die Philosophie hinter der Bauhaus-Fotografie verstanden haben, besteht der nächste Schritt darin, hinauszugehen und diese visuelle Grammatik in Ihrer eigenen Stadt anzuwenden. Suchen Sie nach den versteckten Juwelen, experimentieren Sie mit Licht und Perspektive und erzählen Sie die Geschichte der Architektur durch Ihre Linse.

Häufige Fragen zum Thema Bauhaus-Architektur fotografieren

Gilt die Panoramafreiheit auch für Instagram-Posts von Bauhaus-Gebäuden?

Ja, aber nur für nicht-kommerzielle Nutzung. Bei erkennbar werblichem Charakter oder bezahlten Partnerschaften kann eine Abmahnung drohen.

Darf ich Kunst am Bau fotografieren und veröffentlichen?

Vorsicht: Die Panoramafreiheit gilt oft nicht für fest installierte, urheberrechtlich geschützte Kunstwerke an Fassaden. Close-ups können eine Rechtsverletzung darstellen.

Sind beleuchtete Bauhaus-Gebäude bei Nacht fotografierbar?

Grundsätzlich ja, aber spezielle Lichtinstallationen können urheberrechtlich geschützt sein. Bei temporären Lichtkunst-Events ist besondere Vorsicht geboten.

Geschrieben von Anika Schroth, Medienkünstlerin und Expertin für Fotografie, Fine-Art-Printing und digitale Kunst (NFTs). Spezialisiert auf Drucktechniken, Dateiformate und die digitale Präsentation von Kunst.