
Die gelungene Integration eines klassischen Ölgemäldes in ein minimalistisches Interieur ist kein Akt der Dekoration, sondern ein bewusster kuratorischer Eingriff.
- Erfolg basiert auf dem Verständnis der Raumphysik (Statik, Licht) und konservatorischer Sorgfalt, um das Werk zu schützen.
- Die Wahl der Wandfarbe und des Hängungsortes schafft einen spannenden Dialog zwischen Alt und Neu, der die Ästhetik des Raumes definiert.
Empfehlung: Behandeln Sie Ihre Wand wie eine Galerie und Ihr Gemälde wie das zentrale Exponat, indem Sie professionelle Techniken für Hängung und Beleuchtung nutzen, um dessen materiellen und ideellen Wert zu steigern.
Der Moment ist vielen vertraut: Ein opulentes Ölgemälde, vielleicht ein Erbstück mit schwerem Goldrahmen, trifft auf die nackte, weiße Wand eines minimalistischen Neubaus. Es entsteht ein innerer Konflikt zwischen der emotionalen Bindung an das Kunstwerk und der Sorge vor einem ästhetischen Stilbruch. Man liebt das Bild, aber es scheint in der puristischen Umgebung wie ein Fremdkörper zu wirken, ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Die üblichen Ratschläge lauten oft, schlichte „Kontraste zu schaffen“ oder simple Farbpaletten zu nutzen. Doch ein solch wertvolles Objekt verdient mehr als eine oberflächliche Lösung. Die wahre Kunst der Innenarchitektur geht tiefer und berührt Disziplinen wie die Kunstrestaurierung und das kuratorische Ausstellungswesen. Es geht nicht darum, das Gemälde an die Wand zu hängen, sondern darum, ihm eine neue Bühne zu geben, auf der es seine Geschichte erzählen kann, ohne seine Würde zu verlieren.
Was wäre also, wenn der Schlüssel nicht im bloßen Dekorieren, sondern in einem durchdachten kuratorischen Eingriff liegt? Ein Ansatz, der die Gesetze der Raumphysik, die Psychologie der Farbwirkung und die Prinzipien konservatorischer Sorgfalt vereint. Es ist eine Perspektive, die das Gemälde nicht als Problem, sondern als visuelles Ankerobjekt begreift, das dem modernen Raum Seele und Tiefe verleiht.
Dieser Leitfaden führt Sie durch genau diesen Prozess. Wir beleuchten die technischen Herausforderungen der sicheren Montage, die physikalischen Fallstricke bei der Platzierung, die Kunst der perfekten Ausleuchtung und die strategische Wahl der Wandfarbe. Ziel ist es, Ihr Erbstück vom potenziellen Störfaktor zum unbestrittenen Meisterwerk Ihres Zuhauses zu transformieren.
Um Ihnen eine klare Struktur für diesen anspruchsvollen Prozess zu bieten, haben wir die wichtigsten Aspekte in übersichtliche Themenbereiche gegliedert. Der folgende Inhalt führt Sie schrittweise von den Grundlagen der Platzierung bis hin zu den feinen Details des Werterhalts.
Inhalt: Wie Sie ein klassisches Ölgemälde meisterhaft in Szene setzen
- Warum ein antikes Ölgemälde gerade in einer Beton-Optik-Küche für Exklusivität sorgt
- Schwere Prunkrahmen sicher montieren: Welche Dübel halten 15 kg an einer Rigipswand?
- Spots oder Streulicht: Wie beleuchten Sie glänzende Ölbilder ohne störende Reflexionen?
- Der Kamin-Fehler: Warum Sie Ihr Ölgemälde niemals über einer aktiven Heizquelle platzieren dürfen
- Welche Wandfarbe lässt dunkle Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert modern und frisch wirken?
- Der Fehler bei der Hängung an Außenwänden, der Sie 500 € an Schimmelsanierung kostet
- Dunkle Wand, helles Bild: Wie Wandfarben das Licht schlucken oder verstärken und die Atmosphäre ändern
- Wie bewahren Sie den Wert geerbter Ölmalerei für die nächste Generation?
Warum ein antikes Ölgemälde gerade in einer Beton-Optik-Küche für Exklusivität sorgt
Die Platzierung eines antiken Ölgemäldes in einer Küche, insbesondere in einer mit kühler Beton-Optik, mag auf den ersten Blick kontraintuitiv erscheinen. Doch gerade in diesem Bruch liegt das Geheimnis einer hochgradig exklusiven und persönlichen Raumwirkung. Es ist ein gezielter Stilbruch, der einen intellektuellen und visuellen Dialog zwischen der rohen, fast archaischen Anmutung des Betons und der kultivierten Finesse der Ölmalerei provoziert. Dieses Spannungsfeld erhebt den Raum über eine rein funktionale Kochstelle hinaus zu einem kuratierten Lebensraum.
Der Erfolg eines solchen Arrangements hängt von einem verbindenden Element ab. Dies kann ein subtiler Farbton im Gemälde sein, der sich in den Küchenaccessoires wiederfindet, oder das Material des Rahmens, das mit den Griffen der Schränke korrespondiert. Ein klassisches Stillleben in opulentem Rahmen kann so einen faszinierenden Dialog mit einer zeitgenössischen, abstrakten Skulptur auf der Arbeitsplatte eingehen. Die gestalterische Freiheit ist groß, solange eine visuelle Brücke geschlagen wird, die die beiden Welten miteinander verbindet.
Die minimalistische Einrichtung profitiert enorm von einer solchen bewussten Kombination. So wird empfohlen, strukturierte geometrische Formen, wie sie in modernen Küchenfronten zu finden sind, gezielt mit weichen, organischen Elementen zu kombinieren, wie sie oft in der klassischen Malerei dargestellt werden. Dieser bewusste Kontrast fordert das Auge, ohne es zu überfordern, und schafft eine Atmosphäre, die sowohl ruhig als auch anregend ist. Das antike Gemälde wird so zum visuellen Ankerobjekt, das dem puristischen Raum Charakter und eine persönliche Geschichte verleiht.
Schwere Prunkrahmen sicher montieren: Welche Dübel halten 15 kg an einer Rigipswand?
Die Faszination eines schweren, prunkvollen Rahmens weicht schnell der praktischen Sorge um die Sicherheit, insbesondere an den Leichtbauwänden eines modernen Neubaus. Eine Rigipswand verzeiht keine Fehler, und der Gedanke an ein abstürzendes, unersetzliches Erbstück ist ein Albtraum. Die Frage nach der richtigen Befestigung ist daher keine handwerkliche Nebensächlichkeit, sondern ein zentraler Aspekt der konservatorischen Sorgfalt und ein Fall für die angewandte Raumphysik.
Während klassische Dübel für leichte Bilder ausreichen, stoßen sie bei Gewichten um 15 kg schnell an ihre Grenzen. Eine weitaus überlegene, flexiblere und letztlich professionellere Lösung sind Galerieschienen. Diese werden einmalig und stabil direkt unter der Decke montiert und erlauben es, Kunstwerke an transparenten Perlon- oder robusten Stahlseilen flexibel aufzuhängen. Der größte Vorteil: Es sind keine weiteren Bohrlöcher in der Wand nötig, was die Integrität der Fläche bewahrt und zukünftige Umgestaltungen mühelos macht.
Das folgende Bild zeigt die Präzision und Eleganz eines solchen Systems im Detail.

Die Entscheidung für ein Hängesystem sollte wohlüberlegt sein. Die folgende Tabelle vergleicht die gängigsten Methoden und deren Eignung für schwere Kunstwerke.
Diese Übersicht, basierend auf einer aktuellen Analyse von Befestigungssystemen, macht deutlich, dass für wertvolle und schwere Gemälde die Investition in ein Galerieschienensystem die sicherste und nachhaltigste Wahl ist.
| System | Vorteile | Nachteile | Max. Gewicht |
|---|---|---|---|
| Galerieschienen | Kein erneutes Bohren notwendig, Wände werden von Dübeln verschont, direkt unter der Decke montiert | Einmalige Montage aufwendig | 20+ kg |
| Klassische Dübel | Günstig, überall erhältlich | Löcher in der Wand, unflexibel | 15 kg |
| Klebesysteme | Ohne Nagel, keine Löcher, jederzeit montierbar ohne Hammer oder Bohrmaschine, Gemälde werden direkt an die Wand geklebt | Nur für leichte Bilder | 3-5 kg |
Spots oder Streulicht: Wie beleuchten Sie glänzende Ölbilder ohne störende Reflexionen?
Ein Ölgemälde lebt vom Licht. Doch falsches Licht kann seine Wirkung zerstören, bevor sie sich entfalten kann. Das Hauptproblem bei Ölgemälden ist die oft glänzende Oberfläche des Firnis, die bei direkter Beleuchtung zu störenden Reflexionen führt. Die perfekte Ausleuchtung ist daher eine subtile Kunst, die eine museale Atmosphäre schaffen soll, anstatt das Bild wie ein Werbeplakat anzustrahlen. Das Ziel ist es, die Farben zum Leuchten zu bringen und die Tiefe der Pinselstriche sichtbar zu machen, ohne dass der Betrachter durch Spiegelungen abgelenkt wird.
Die goldene Regel der Gemäldebeleuchtung lautet: Der Lichteinfall sollte in einem Winkel von etwa 30 Grad von oben erfolgen. Dies minimiert die Wahrscheinlichkeit von Direktreflexionen für einen Betrachter mit durchschnittlicher Körpergröße. Am besten eignen sich hierfür spezielle, schwenkbare Galeriespots oder Stromschienen-Systeme an der Decke. Diese ermöglichen eine präzise Ausrichtung des Lichtkegels auf das Kunstwerk.
Zwei technische Faktoren sind entscheidend: die Farbtemperatur und der Farbwiedergabeindex (CRI). Für die meisten klassischen Gemälde ist eine warme Lichtfarbe (ca. 2.700 bis 3.000 Kelvin) ideal, da sie die Pigmente natürlich und historisch akkurat erscheinen lässt. Noch wichtiger ist ein hoher CRI von über 90 (besser 95). Dieser Wert gibt an, wie naturgetreu die Farben unter der künstlichen Lichtquelle wiedergegeben werden. Ein niedriger CRI kann die feinsten Farbnuancen verfälschen und das Werk flach wirken lassen.
Wie eine Anleitung zur Inszenierung von Kunstwerken betont, ist ein Ort mit gleichmäßiger Grundbeleuchtung, ergänzt durch gezielte Lichtakzente, die ideale Lösung. Sehr dunkle Ecken lassen Kunstwerke untergehen, während direktes Sonnenlicht nicht nur blendet, sondern das Werk auch beschädigt. Die Wahl fällt daher auf steuerbares, gerichtetes Licht, das eine intime und fokussierte Betrachtung ermöglicht.
Der Kamin-Fehler: Warum Sie Ihr Ölgemälde niemals über einer aktiven Heizquelle platzieren dürfen
Der Platz über dem Kaminsims scheint für ein repräsentatives Gemälde wie geschaffen zu sein – eine klassische Inszenierung, die Würde und Gemütlichkeit ausstrahlt. In einem modernen Wohnkonzept ist dies jedoch einer der gravierendsten Fehler, den ein Kunstbesitzer machen kann. Aus der Perspektive der konservatorischen Sorgfalt ist die Platzierung über einer aktiven Heizquelle, sei es ein Kamin, ein Heizkörper oder sogar eine intensiv genutzte Fußbodenheizung, für ein Ölgemälde katastrophal.
Das Problem ist zweifach: Hitze und Schmutz. Die aufsteigende trockene Wärme eines Kamins oder Heizkörpers führt zu extremen Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Das Trägermaterial des Gemäldes – meist Holz und Leinwand – dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Dieser ständige Stress führt zu Rissen in der Malschicht (Krakelee) und kann die Leinwand langfristig verziehen oder spröde machen. Zusätzlich transportiert die Konvektionswärme Ruß-, Staub- und Fettpartikel aus der Raumluft nach oben, die sich auf der Oberfläche des Gemäldes ablagern und einen schmierigen, schwer zu entfernenden Film bilden.
Neben der direkten Hitze stellt auch die Nähe zu Fenstern eine erhebliche Gefahr dar. Wie Experten warnen, sollten Kunstwerke niemals in der direkten Sonne hängen. Der Grund dafür ist, dass, wie eine Analyse von Planungswelten zeigt, UV-Strahlung Farben ausbleichen und das Kunstwerk sogar beschädigen kann. Moderne, gut isolierte Fenster reduzieren zwar einen Teil der UV-Strahlung, aber nicht vollständig. Die Kombination aus Wärme und UV-Licht beschleunigt die Alterungsprozesse der organischen Materialien im Bild dramatisch.
Die richtige Pflege beginnt daher bei der Wahl des Ortes. Grundsätzlich sollte man Kunstwerke niemals direkt mit bloßen Händen anfassen, da Hautfette Ablagerungen hinterlassen. Stattdessen sind saubere Baumwollhandschuhe zu verwenden. Regelmäßiges, vorsichtiges Abstauben mit einem sehr weichen Pinsel ist ebenfalls Teil des Schutzprogramms, doch die Vermeidung schädlicher Umwelteinflüsse ist der mit Abstand wichtigste Schritt zum Werterhalt.
Welche Wandfarbe lässt dunkle Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert modern und frisch wirken?
Ein dunkles, historisches Ölgemälde vor einer reinweißen Wand aufzuhängen, ist die naheliegendste, aber selten die beste Lösung. Der hohe Kontrast lässt das Gemälde oft noch schwerer und isolierter erscheinen, wie ein Fenster in eine vergangene Welt, das nicht wirklich Teil des Raumes ist. Die weitaus raffiniere Methode ist die Wahl einer mutigen, gesättigten Wandfarbe, die einen Dialog mit den Farben im Bild eingeht und es in der Gegenwart verankert.
Besonders wirkungsvoll sind tiefe, komplexe Farbtöne. Ein tiefes Petrolblau oder ein sattes Tannengrün können die oft warmen Ocker-, Umbra- und Goldtöne eines Gemäldes aus dem 19. Jahrhundert auf dramatische Weise hervorheben. Diese komplementären Kontraste lassen die alten Farben förmlich leuchten. Wie eine Fallstudie auf Houzz.de treffend beschreibt: „Das Gemälde sagt 19. Jahrhundert, die petrolstichige Wand verankert den Raum in der Gegenwart.“ Diese Strategie verleiht dem historischen Werk eine moderne Relevanz, ohne seinen Charakter zu verfälschen.
Die folgende Abbildung illustriert eindrucksvoll, wie eine tiefblaue Wand einem dunklen Porträt eine ungeahnte Frische und Präsenz verleiht.

Die Wahl der Farbe ist jedoch nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch der Raumwirkung. Die folgende Tabelle gibt eine Orientierung, welche Farben welche Atmosphäre schaffen und wie sie mit dunklen Gemälden interagieren.
| Wandfarbe | Wirkung auf dunkle Gemälde | Raumwirkung | Empfohlener HBW |
|---|---|---|---|
| Weiß/Hellgrau | Maximaler Kontrast, Gemälde wirkt schwer | Weite und Ruhe, luftig und geordnet | >70 |
| Petrol/Tiefblau | Hebt Ockertöne hervor, modernisiert | Intim, dramatisch | 20-30 |
| Grau-Blau | Sanfter Kontrast, harmoniert mit natürlichen Materialien | Ausgewogen, beruhigend | 40-50 |
| Olivton gedeckt | Wärmt dunkle Töne auf | Unterstreicht Klarheit des Gesamtkonzepts | 30-40 |
Der Fehler bei der Hängung an Außenwänden, der Sie 500 € an Schimmelsanierung kostet
Einer der am häufigsten übersehenen, aber potenziell teuersten Fehler bei der Platzierung von Kunst in einem modernen, hochgedämmten Neubau ist die Hängung an einer Außenwand. Was harmlos erscheint, kann zu einem ernsthaften Problem führen: Schimmelbildung hinter dem Bild. Dieses Phänomen ist ein direktes Resultat der modernen Bauphysik und erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen.
In einem gut isolierten Haus ist die Innenoberfläche einer Außenwand stets kühler als die Raumluft und andere Wände. Warme, feuchte Raumluft – die durch Kochen, Atmen oder Pflanzen entsteht – zirkuliert im Raum. Wird nun ein großformatiges Bild flach an diese kühle Wand gehängt, wird die Luftzirkulation dahinter blockiert. Die eingeschlossene warme, feuchte Luft kühlt an der Wand ab, ihre relative Feuchtigkeit steigt, und der Taupunkt wird erreicht: Wasser kondensiert an der Wand. Dieser permanent feuchte Bereich hinter dem Bild ist der ideale Nährboden für Schimmel, der nicht nur die Wand, sondern auch die Rückseite des Rahmens und der Leinwand angreifen kann. Eine professionelle Schimmelsanierung kann schnell mehrere hundert Euro kosten.
Die Lösung für dieses Problem ist einfach, aber entscheidend: Es muss eine ausreichende Hinterlüftung des Bildes gewährleistet werden. Dies erreicht man am einfachsten durch die Anbringung von kleinen, selbstklebenden Abstandshaltern aus Filz oder Gummi an den unteren Ecken der Rahmenrückseite. Ein Abstand von nur 5-10 Millimetern genügt, um eine Luftzirkulation zu ermöglichen, die die Feuchtigkeit abtransportiert. Insbesondere im ersten „Trockenwohn-Jahr“ eines Neubaus, wenn die Restfeuchte aus dem Bau noch hoch ist, ist die Überwachung der allgemeinen Raumluftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer unerlässlich.
Dunkle Wand, helles Bild: Wie Wandfarben das Licht schlucken oder verstärken und die Atmosphäre ändern
Während dunkle Gemälde von einer farbigen Wand profitieren, entfaltet sich bei einem hellen, leuchtenden Bild vor einer dunklen Wand eine völlig andere, aber ebenso dramatische Wirkung. Hier kehrt sich das Prinzip um: Die dunkle Wandfarbe absorbiert das Umgebungslicht und lässt das helle Kunstwerk selbst zu einer Lichtquelle im Raum werden. Es ist ein Spiel mit Licht und Schatten, das einem Raum eine unglaubliche Tiefe und eine fast theatralische Atmosphäre verleihen kann.
Dunkle Farben wie Anthrazit, tiefes Waldgrün oder Schokoladenbraun schaffen einen Kokon-Effekt, der den Raum intimer und gemütlicher wirken lässt. Ein helles Gemälde – etwa eine sonnendurchflutete Landschaft oder ein Porträt mit hellem Inkarnat – wird vor diesem Hintergrund zum absoluten Blickfang. Die Leuchtkraft der hellen Farbtöne wird durch den dunklen Kontext maximiert. Dieser Effekt wird weiter verstärkt, wenn man matte Wandfarben oder Kalkfarben verwendet. Laut einer Analyse von Einrichtungstrends verstärken diese matten Oberflächen die sanfte Wirkung und verleihen der Fläche eine natürliche, samtige Tiefe, die das Licht noch stärker schluckt.
Das folgende Bild demonstriert, wie ein helles Gemälde vor einer dunklen Wand zu leuchten scheint und die gesamte Stimmung des Raumes bestimmt.

Die Wahl der richtigen Farbe und Oberfläche ist ein entscheidender Schritt im kuratorischen Prozess. Die folgende Checkliste hilft Ihnen bei der finalen Entscheidung.
Checkliste zur Wahl der perfekten Wandfarbe
- Lichtanalyse: Bestimmen Sie die Ausrichtung des Raumes. Nordseitige Räume benötigen wärmere Töne, während sonnige Südseiten auch kühle, dunkle Farben vertragen.
- Farbtest durchführen: Streichen Sie eine große Farbprobe (mind. 1x1m) an die vorgesehene Wand und beobachten Sie die Wirkung zu verschiedenen Tageszeiten.
- Oberfläche wählen: Entscheiden Sie sich für eine matte Oberfläche (z.B. Dispersionsfarbe matt, Kalk- oder Lehmfarbe), um Reflexionen zu minimieren und die Farbtiefe zu maximieren.
- Harmonie mit dem Interieur: Stellen Sie sicher, dass die Wandfarbe mit den Hauptmöbelstücken, dem Bodenbelag und den Textilien im Raum harmoniert, um ein stimmiges Gesamtkonzept zu schaffen.
- Kontrast zum Bild prüfen: Halten Sie ein Farbmuster direkt neben das Gemälde. Verstärkt die Farbe die Wirkung des Bildes oder konkurriert sie damit? Das Bild muss immer der Protagonist bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Kontrast ist nicht nur Dekoration, sondern ein kuratierter Dialog zwischen Alt und Neu, der durch ein verbindendes Element zusammengehalten wird.
- Professionelle Hängesysteme (z.B. Galerieschienen) und eine gezielte Beleuchtung sind keine Kosten, sondern eine entscheidende Investition in den Werterhalt Ihres Kunstwerks.
- Physikalische Faktoren wie Wärme, Feuchtigkeit und UV-Licht sind die größten Feinde Ihres Gemäldes und müssen in einem modernen Neubau aktiv gemanagt werden.
Wie bewahren Sie den Wert geerbter Ölmalerei für die nächste Generation?
Die bisherigen Schritte – von der sicheren Hängung über die richtige Beleuchtung bis zur Wahl der Wandfarbe – sind allesamt Facetten eines übergeordneten Ziels: der Bewahrung des Wertes Ihres Kunstwerks. Dieser Wert ist dualer Natur. Er ist materiell, gemessen am potenziellen Marktpreis, und ideell, verankert in der Familiengeschichte und den Emotionen, die das Erbstück transportiert. Beide Aspekte des Wertes erfordern eine bewusste und langfristige konservatorische Strategie.
Viele Menschen haben wertvolle Ölbilder geerbt, die ihnen aus bestimmten Gründen sehr ans Herz gewachsen sind. Diese emotionale Bindung macht die Erhaltung zur moralischen Verpflichtung gegenüber zukünftigen Generationen. Die materielle Werterhaltung beginnt mit der Dokumentation. Erstellen Sie ein Dossier zum Kunstwerk: Fotografieren Sie es von vorne und hinten (insbesondere eventuelle Signaturen, Stempel oder Etiketten), sammeln Sie alle bekannten Informationen zur Herkunft (Provenienz), zum Künstler und zur Geschichte des Bildes in Ihrer Familie. Diese Dokumentation ist bei einer späteren Schätzung, Versicherung oder einem Verkauf von unschätzbarem Wert.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die professionelle Pflege. Während das vorsichtige Abstauben des Rahmens selbst durchgeführt werden kann, ist die Reinigung der Malschicht selbst eine Aufgabe für einen ausgebildeten Restaurator. Experten betonen, dass Ölgemälde nicht feucht gereinigt werden dürfen, da Feuchtigkeit in feine Risse eindringen und die Malschicht vom Untergrund lösen kann. Eine professionelle Reinigung entfernt nicht nur den Schmutz der Jahrzehnte, sondern sichert auch lose Farbpartikel und kann den Firnis erneuern, was die Farben wieder zum Leuchten bringt. Eine solche Maßnahme, alle 20 bis 30 Jahre durchgeführt, ist eine der besten Investitionen in den langfristigen Erhalt des Kunstwerks.
Indem Sie Ihr Kunstwerk mit dem Respekt eines Kurators behandeln – durch eine durchdachte Inszenierung und proaktive Schutzmaßnahmen – stellen Sie sicher, dass es nicht nur Ihr eigenes Leben bereichert, sondern auch das der kommenden Generationen.
Häufige Fragen zur Hängung von Kunst in Neubauten
Warum ist die Hängung an Außenwänden problematisch?
In hochgedämmten Neubauten kann warme, feuchte Raumluft hinter dem Bild an der kühleren Außenwand kondensieren. Diese Feuchtigkeit ist der ideale Nährboden für Schimmel, der sowohl die Wand als auch das Kunstwerk beschädigen kann.
Welche Lösung gibt es für dieses Problem?
Die einfachste und effektivste Lösung ist die Gewährleistung einer ausreichenden Hinterlüftung. Verwenden Sie selbstklebende Abstandshalter aus Filz oder Gummi an den unteren Ecken des Rahmens, um einen kleinen Spalt zur Wand zu schaffen, durch den die Luft zirkulieren kann.
Wie überwacht man die Luftfeuchtigkeit effektiv?
Ein digitales Hygrometer ist ein kostengünstiges und unverzichtbares Werkzeug. Platzieren Sie es im Raum (nicht in direkter Sonne oder Nähe zu Heizkörpern), um die Luftfeuchtigkeit zu überwachen. Besonders im ersten „Trockenwohn-Jahr“ eines Neubaus sollte der Wert regelmäßig kontrolliert und durch gezieltes Lüften unter 60% gehalten werden.