Veröffentlicht am März 12, 2024

Die Wahl eines Architekturbildes ist keine dekorative, sondern eine strukturelle Entscheidung, die die Raumwahrnehmung direkt beeinflusst.

  • Fluchtlinien und Perspektive können einen Raum optisch strecken oder weiten.
  • Die Materialität des Drucks (Hochglanz vs. Matt) steuert die Lichtreflexion und die gefühlte Tiefe.

Empfehlung: Analysieren Sie ein Foto nicht nach seinem Motiv, sondern nach seiner geometrischen und materiellen Wirkung auf Ihre Architektur.

Eine leere Wand ist eine ungenutzte Chance. Für Liebhaber moderner Architektur und urbanen Lifestyles ist sie mehr als nur Fläche – sie ist das Potenzial für eine Erweiterung des Raumes, ein Statement, ein visueller Ankerpunkt. Die gängige Herangehensweise, ein Bild auszuwählen, das farblich zum Sofa passt oder einfach nur „schön“ ist, greift zu kurz. Sie behandelt Fotografie als reines Accessoire und ignoriert ihre mächtigste Eigenschaft: die Fähigkeit, Architektur zu formen und die Wahrnehmung von Dimensionen zu manipulieren.

Viele Ratgeber konzentrieren sich auf die Rahmung oder die Abstimmung mit der Einrichtung. Doch das ist, als würde man ein Gebäude nach seiner Türklinke beurteilen. Die wahre Kraft eines Architekturfotos liegt in seiner inneren Struktur, seiner Komposition und der Art, wie es mit dem Licht im Raum interagiert. Doch was, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, ein Bild zu finden, das in den Raum *passt*, sondern eines, das den Raum *definiert* und aktiv gestaltet? Als Architekturfotograf sehe ich Bilder nicht als Dekoration, sondern als Baumaterial. Es geht um Linien, Texturen und die gezielte Steuerung des Betrachterblicks.

Dieser Artikel bricht mit den oberflächlichen Ratschlägen. Wir werden die kuratorische Entscheidung für ein Kunstwerk aus der Perspektive eines Fotografen betrachten. Wir analysieren, wie Fluchtlinien die Raumgeometrie verändern, warum die Oberfläche eines Drucks wichtiger ist als sein Rahmen, und wie die Reduktion auf Schwarz-Weiß eine visuelle Oase schaffen kann. Es ist ein Leitfaden, um Fotografie nicht als Lückenfüller, sondern als fundamentales Architekturelement zu begreifen und so Räume zu schaffen, die größer, ruhiger und strukturell interessanter wirken.

Um diese Prinzipien greifbar zu machen, gliedert sich der Artikel in eine logische Abfolge von kuratorischen Entscheidungen. Jede Sektion baut auf der vorherigen auf und führt Sie von der grundlegenden Geometrie über materielle Aspekte bis hin zu rechtlichen und praktischen Überlegungen für Ihre eigenen vier Wände.

Fluchtlinien nutzen: Wie ein Bild mit zentraler Perspektive einen schmalen Flur optisch verlängert

Das mächtigste Werkzeug zur Manipulation der Raumwahrnehmung ist die Perspektive. Unser Gehirn ist darauf trainiert, Fluchtlinien zu interpretieren, um Tiefe zu erkennen. Ein Architekturfoto, das eine starke Zentralperspektive aufweist, bei der alle Linien auf einen einzigen Punkt zulaufen, zwingt das Auge, dieser Illusion von Tiefe zu folgen. Ein schmaler, kurzer Flur kann so durch ein einziges, gezielt platziertes Bild eine gefühlte Verlängerung erfahren. Das Bild wird nicht mehr als flaches Objekt an der Wand wahrgenommen, sondern als Fenster in eine Fortsetzung des Raumes.

U-Bahnhof Westfriedhof München als Meisterwerk der Fluchtpunktperspektive

Die U-Bahnhöfe Münchens demonstrieren perfekt die Wirkung der Zentralperspektive. Am Westfriedhof treffen sich alle Fluchtlinien in einem zentralen Punkt, wodurch der Raum optisch verlängert wird. Die dramatische Perspektive mit den sich verjüngenden Linien erzeugt eine intensive „Sogwirkung“, die den Betrachter in die Tiefe zieht – ein Effekt, der sich ideal auf schmale Flure übertragen lässt, um ihnen eine ungeahnte Weite zu verleihen.

Für eine maximale Wirkung sollte das Bild auf Augenhöhe platziert werden, wobei die Bildmitte etwa bei 145 bis 150 cm liegt. Dies positioniert den Fluchtpunkt des Bildes direkt in der Sichtachse des Betrachters und verstärkt die immersive Erfahrung. Der Effekt lässt sich weiter steigern, indem die Fluchtlinien des Bildes in der realen Architektur fortgeführt werden, beispielsweise durch einen schmalen Teppichläufer oder eine Lichtleiste an der Decke, die auf das Bild zulaufen. So entsteht eine nahtlose Verbindung zwischen realem und illusionistischem Raum, und die Fotografie erhält eine klare strukturelle Funktion.

Hochglanz oder Matt: Warum Acrylglas-Kaschierung bei Architekturfotos für mehr Tiefe sorgt

Nach der Geometrie ist die Materialität die zweite entscheidende Ebene der Bildwirkung. Die Oberfläche eines Fotodrucks ist keine Nebensache; sie ist eine aktive Komponente, die das Licht im Raum steuert. Eine Hochglanz-Acrylglas-Kaschierung ist hier mehr als nur ein Schutz. Sie erzeugt eine spiegelnde, glatte Oberfläche, die das Umgebungslicht und Teile des Raumes reflektiert. Dadurch entsteht eine zusätzliche visuelle Ebene, die dem Bild eine physische Tiefe verleiht, die ein matter Druck niemals erreichen kann. Das Auge nimmt nicht nur das Motiv wahr, sondern auch die Reflexionen darauf, was eine komplexe und dynamische Seherfahrung schafft.

Diese Eigenschaft macht Hochglanz-Acrylglas ideal für moderne Architekturmotive mit klaren Linien, Glas- und Stahlfassaden. In nordseitigen oder dunkleren Räumen kann eine solche Oberfläche das spärliche Licht einfangen und zurückwerfen, wodurch sie den Raum heller und lebendiger wirken lässt. Die Reflexionen erzeugen eine subtile Bewegung und verbinden das Kunstwerk direkt mit seiner Umgebung.

Nahaufnahme von hochglänzendem Acrylglas, das die Linien eines Architekturfotos bricht und Tiefe erzeugt

Im Gegensatz dazu steht eine matte Oberfläche. Sie absorbiert Licht und verhindert jegliche Reflexion. Das ist besonders vorteilhaft bei brutalistischer Architektur oder Motiven mit starker Textur wie Beton und Backstein. Eine matte Oberfläche lenkt den Fokus vollständig auf die Form, die Struktur und die feinen Details des Motivs, ohne durch Blendeffekte abzulenken. In Räumen mit direkter Sonneneinstrahlung ist ein matter Druck oft die bessere Wahl, da er aus jedem Blickwinkel perfekt sichtbar bleibt und die haptische Qualität des abgebildeten Materials betont.

Open Edition vs. Limited Edition: Warum Sie bei Fotografie für Werterhalt immer auf die Auflage achten müssen

Eine kuratorische Entscheidung ist auch immer eine wirtschaftliche. Jenseits von Ästhetik und Raumwirkung spielen die Auflage und Authentizität eines fotografischen Kunstwerks eine entscheidende Rolle für seinen potenziellen Werterhalt und seine Exklusivität. Eine „Open Edition“ bedeutet, dass das Werk in unbegrenzter Stückzahl gedruckt werden kann. Es ist zugänglich und erschwinglich, besitzt jedoch primär einen dekorativen Wert, da das Prinzip der künstlichen Verknappung fehlt. Solche Drucke eignen sich hervorragend, um einen stilistischen Akzent zu setzen, sind aber keine Investition im klassischen Sinne.

Im Gegensatz dazu steht die „Limited Edition“. Hier verpflichtet sich der Künstler oder die Galerie, nur eine vorab festgelegte Anzahl von Abzügen herzustellen. Jedes Werk ist nummeriert (z. B. 5/100) und wird idealerweise mit einem Echtheitszertifikat geliefert. Diese Limitierung schafft Exklusivität und ist die Grundvoraussetzung für eine mögliche Wertsteigerung. Der deutsche Gesetzgeber erkennt diesen künstlerischen Status an: Wie eine Analyse zeigt, fällt für limitierte Fotografie-Editionen der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % an, da sie als Kunstwerke im Sinne des § 12 Abs. 2 Nr. 13 UStG gelten. Dies ist ein klares Signal, dass der Staat zwischen reiner Dekoration und Kunst unterscheidet.

Die Dokumentation der Herkunft (Provenienz) und die fälschungssichere Verifizierung der Limitierung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Hier eröffnen sich durch moderne Technologien neue Wege, wie der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) in seinen Richtlinien betont:

Die Limitierung und lückenlose Provenienz sind heute durch Blockchain-Technologie und NFT-Zertifikate fälschungssicher nachweisbar, was besonders für digitale Editionen neue Möglichkeiten der Wertsicherung eröffnet.

– Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), Richtlinien für den deutschen Kunstmarkt 2024

Die Entscheidung zwischen Open und Limited Edition ist somit eine Frage der persönlichen Zielsetzung: Geht es um rein ästhetische Raumgestaltung oder um den Aufbau einer Sammlung mit materiellem und ideellem Wert?

Monochrom im bunten Raum: Warum Schwarz-Weiß-Fotografie Ruhe in ein farbenfrohes Wohnzimmer bringt

In einem lebhaften, farbenfrohen Interieur kann ein weiteres farbiges Bild schnell zu visuellem Chaos führen. Hier entfaltet die monochrome Fotografie ihre volle Kraft. Durch die Reduktion auf Schwarz, Weiß und Grautöne wird das Motiv von jeder farblichen Ablenkung befreit. Das Gehirn wird gezwungen, sich auf die Essenz des Bildes zu konzentrieren: Form, Komposition, Textur und das Spiel von Licht und Schatten. Ein großformatiges Schwarz-Weiß-Architekturfoto wird so zu einem mentalen Ruhepol, einem visuellen Ankerpunkt, der die umgebenden Farben nicht konkurriert, sondern ausbalanciert.

Das Erbe der Düsseldorfer Photoschule – Bernd und Hilla Becher

Die Bechers revolutionierten die Architekturfotografie durch ihre sachliche, typologische Erfassung deutscher Industriearchitektur in Schwarz-Weiß. Ihre berühmten Serien von Wassertürmen oder Hochöfen zeigen, wie die Reduktion auf Form und Struktur ohne Farbablenkung eine fast meditative Qualität erzeugt. Diese Ästhetik reduziert den „visuellen Lärm“ und schafft einen neutralen, aber hochgradig strukturierten Fokuspunkt – ein Prinzip, das sich perfekt als mentaler Ruhepol in farbintensiven Wohnräumen anwenden lässt.

Doch Schwarz-Weiß ist nicht gleich Schwarz-Weiß. Die Tonalität des Drucks sollte auf die Grundfarben des Raumes abgestimmt werden, um eine harmonische Integration zu gewährleisten. Hierbei lassen sich drei Grundtypen unterscheiden:

  • Warmtoniges Schwarz-Weiß: Eine leichte Sepia-Tönung harmoniert perfekt mit Räumen, in denen warme Farben wie Beige, Braun oder Terrakotta dominieren. Sie fügt sich sanft ein und wirkt organisch.
  • Neutrales Schwarz-Weiß: Der universelle Klassiker. Es passt zu fast jedem Interieur, wirkt aber besonders stark in minimalistischen, modernen Umgebungen mit klaren Linien und neutralen Tönen.
  • Kalttoniges Schwarz-Weiß: Ein Druck mit einem subtilen bläulichen Unterton ist die ideale Ergänzung für Räume mit kühlen Grundfarben wie Blau, Grün oder Grau. Es verstärkt die beruhigende, klare Atmosphäre.

Pixel-Alarm: Ab welcher Größe wirkt ein Foto unscharf und wie prüfen Sie das vor dem Kauf?

Die beeindruckendste Komposition ist wertlos, wenn die technische Qualität des Drucks nicht stimmt. Besonders bei großformatigen Werken ist die Auflösung der Bilddatei entscheidend. Ein Foto, das auf einem Smartphone-Display gestochen scharf aussieht, kann bei einer Breite von 1,50 Metern zu einem unansehnlichen Pixelbrei werden. Die Schärfe eines Bildes ist relativ und hängt immer vom Betrachtungsabstand und der Druckgröße ab. Je größer der Abstand, desto geringer kann die Auflösung sein.

Als Faustregel gilt: Für eine hochwertige Druckqualität, die auch bei näherer Betrachtung scharf wirkt, sollte die Datei eine Auflösung von mindestens 150 DPI (Dots Per Inch) bei der gewünschten Ausgabegröße aufweisen. Besser sind 300 DPI. Führende deutsche Fotolabore nutzen präzisere Formeln, um die notwendige Qualität zu sichern. Eine gängige Qualitätsnorm besagt, dass der Betrachtungsabstand in Zentimetern geteilt durch zwei die erforderliche Auflösung in Linien pro Zentimeter ergibt. Seriöse Galerien und Künstler geben die maximale empfohlene Druckgröße für ihre Werke an.

Makroaufnahme eines Architekturdrucks, die den Übergang von scharfen Details zu sichtbaren Pixeln zeigt

Vor dem Kauf, besonders bei Online-Galerien, sollten Sie die Zoom-Funktion nutzen. Zoomen Sie in einen detailreichen Bereich des Bildes (z. B. Fensterrahmen, Mauerwerk). Wirken die Kanten auch bei starker Vergrößerung noch klar und definiert, oder fransen sie aus und werden schwammig? Dies ist ein einfacher, aber effektiver Test für die Qualität der Quelldatei. Bei limitierten Editionen von hohem Wert ist es zudem legitim, nach einem digitalen Ausschnitt in 100-%-Ansicht zu fragen, um die Schärfe im Detail zu prüfen.

Licht und Schatten an Fassaden: Warum Sie Betongebäude am besten kurz vor Sonnenuntergang fotografieren

Die Wahl des Motivs ist untrennbar mit der Wahl des Lichts verbunden. Als Fotograf jage ich nicht Gebäude, ich jage Licht. Die Tageszeit, zu der eine Architekturaufnahme entsteht, formt den Charakter eines Gebäudes maßgeblich. Besonders bei Materialien mit starker Textur wie Sichtbeton ist das Licht der entscheidende Faktor. Hartes, direktes Mittaglicht lässt Betonfassaden flach, leblos und uninteressant wirken. Die Magie entfaltet sich erst, wenn das Licht seitlich und weich einfällt.

St. Agnes Kirche Berlin – Brutalismus in der Goldenen Stunde

Die brutalistische St. Agnes Kirche in Berlin (heute König Galerie) ist ein Paradebeispiel dafür, wie das Licht die Wahrnehmung von Beton transformiert. In der Goldenen Stunde, der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, hebt das weiche, warme Seitenlicht die raue Textur des Materials plastisch und fast poetisch hervor. Die langen, dramatischen Schatten, die besonders im flachen Winterlicht in Deutschland entstehen, modellieren die geometrischen Formen und verleihen dem massiven Baukörper eine unerwartete Zartheit. Als Alternative bietet die Blaue Stunde nach Sonnenuntergang einen kühleren, urbaneren Look, wenn sich der tiefblaue Himmel mit der künstlichen Gebäudebeleuchtung mischt.

Je nach Material der Fassade gibt es optimale Zeitfenster, um ihre charakteristischen Eigenschaften hervorzuheben. Diese Kenntnis ist entscheidend bei der Auswahl eines Bildes, da sie die Authentizität und Stimmung des Werkes bestimmt.

Optimale Aufnahmezeiten für verschiedene Fassadenmaterialien in Deutschland
Material Beste Tageszeit Lichtwirkung Saisonale Besonderheit
Sichtbeton (Brutalismus) Goldene Stunde (1h vor Sonnenuntergang) Weiches Seitenlicht betont Textur Winter: längere Schatten, dramatischer
Glasfassaden Blaue Stunde Balance Innen-/Außenlicht Sommer: späte blaue Stunde (21-22 Uhr)
Backstein/Klinker Nachmittagssonne Warmes Licht verstärkt Rottöne Herbst: goldenes Licht harmoniert
Metallverkleidung Bewölkt/diffus Gleichmäßige Ausleuchtung ohne Blendung Ganzjährig bei bedecktem Himmel

Fotos von Gebäuden: Welche Architektur-Ikone dürfen Sie nicht als Foto im Wartezimmer hängen?

Die Faszination für ikonische Architektur führt oft zum Wunsch, diese als Kunstwerk im eigenen Raum zu präsentieren. Doch gerade bei der gewerblichen Nutzung, etwa in einem Wartezimmer oder Büro, lauern rechtliche Fallstricke. In Deutschland regelt die sogenannte Panoramafreiheit (§ 59 UrhG), was erlaubt ist. Grundsätzlich dürfen Gebäude, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, von außen fotografiert und die Bilder auch kommerziell verwertet werden. Das Foto muss jedoch von einem öffentlich zugänglichen Ort aus aufgenommen worden sein. Der Einsatz von Drohnen oder das Betreten von Privatgrundstücken, um eine bessere Perspektive zu erhalten, ist nicht abgedeckt.

Die entscheidende Einschränkung ist jedoch das Urheberrecht des Architekten. Ein Gebäude kann als Werk der Baukunst urheberrechtlich geschützt sein. Dieser Schutz erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Architekten. Ist diese Frist noch nicht abgelaufen und das Gebäude weist eine besondere schöpferische Gestaltungshöhe auf, wie es beim berühmten Hundertwasserhaus in Wien gerichtlich festgestellt wurde, kann der Architekt bzw. seine Erben die kommerzielle Abbildung untersagen. Dies gilt insbesondere, wenn das Gebäude das Hauptmotiv des Bildes ist. Die unveränderte Darstellung der Fassade des Eiffelturms bei Nacht ist ein weiteres bekanntes Beispiel, da die nächtliche Beleuchtung als eigenständiges Kunstwerk urheberrechtlich geschützt ist.

Eine weitere Ebene ist das Recht am eigenen Bild von Personen, die auf dem Foto zu sehen sein könnten. Solange Personen nur als zufälliges „Beiwerk“ im architektonischen Kontext erscheinen und nicht den Bildfokus bilden, greift die Ausnahmeregelung des Kunsturhebergesetzes (§ 23 KUG). Sind Personen jedoch klar erkennbar und im Vordergrund platziert, ist für eine gewerbliche Nutzung ihrer Abbildung eine Einwilligung erforderlich. Vor dem Kauf eines Architekturfotos für einen öffentlichen oder gewerblichen Raum ist es daher ratsam, die rechtliche Unbedenklichkeit des Motivs bei der Galerie oder dem Künstler zu erfragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Struktur vor Dekoration: Betrachten Sie Architekturfotografie als ein Werkzeug zur Formung von Raumwahrnehmung, nicht als reines Accessoire.
  • Materialität ist entscheidend: Die Oberfläche eines Drucks (Hochglanz/Matt) steuert aktiv das Licht im Raum und damit die gefühlte Tiefe und Atmosphäre.
  • Kontext ist alles: Die rechtlichen Rahmenbedingungen (Panoramafreiheit) und die Auflage (limitiert/offen) bestimmen den Wert und die Nutzungsmöglichkeiten eines Werks.

Wie finden und fotografieren Sie Bauhaus-Architektur in Ihrer Stadt für Instagram?

Nachdem wir die theoretischen Grundlagen der Bildauswahl beleuchtet haben, ist der letzte Schritt die praktische Anwendung: das eigene Auge zu schulen. Und es gibt kaum einen besseren Stil dafür als das Bauhaus. Mit seinen klaren geometrischen Formen, dem Verzicht auf Ornamente und dem Fokus auf Funktionalität ist die Bauhaus-Architektur ein perfektes Übungsfeld, um Komposition, Linienführung und das Spiel von Licht und Schatten zu studieren. Deutschland ist die Wiege dieser Bewegung, und abseits der berühmten Zentren wie Dessau und Weimar verbergen sich zahlreiche Perlen, die ideale Motive für ein strukturiertes, grafisches Instagram-Profil bieten.

Das Fotografieren von Bauhaus-Architektur zwingt Sie, die Prinzipien dieses Artikels anzuwenden. Konzentrieren Sie sich auf die Details: die rhythmische Anordnung von Fenstern, das Zusammentreffen verschiedener Materialien, die strengen Linien eines Balkons oder die kühle Textur von Sichtbeton. Suchen Sie nach Symmetrien oder brechen Sie diese bewusst. Nutzen Sie hartes Sonnenlicht, um scharfe, grafische Schatten zu erzeugen, die die kubischen Formen betonen. Oder fotografieren Sie bei bewölktem Himmel, um die reinen Formen und Farbflächen ohne Ablenkung einzufangen. Diese Übung schärft den Blick für das, was ein starkes Architekturbild ausmacht, und hilft Ihnen, bei der nächsten kuratorischen Entscheidung für Ihre eigenen vier Wände fundierter zu urteilen.

Ihr Plan zur Entdeckung von Bauhaus-Architektur

  1. Siedlung Dammerstock in Karlsruhe: Entdecken Sie Walter Gropius‘ experimentelle Zeilenbebauung, ideal für grafische Kompositionen und Linienführung.
  2. Bundesschule des ADGB in Bernau: Fotografieren Sie die dramatischen Glaselemente dieses UNESCO-Welterbes für Instagram-würdige Detailaufnahmen.
  3. Neues Bauen in Celle: Fangen Sie Otto Haeslers innovative Farbkonzepte ein, die lebendige Motive abseits der bekannten Pfade bieten.
  4. Haus am Horn in Weimar: Nutzen Sie dieses kompakte Musterhaus, um ikonische Bauhaus-Details wie die runden Fenster und die kubische Form zu studieren.
  5. Siemensstadt in Berlin: Erkunden Sie die „Ringsiedlung“ und ihre endlosen Perspektiven für minimalistische, sich wiederholende Muster.

Indem Sie selbst zum Beobachter werden, entwickeln Sie ein tieferes Verständnis dafür, wie Architektur visuell funktioniert und kommuniziert.

Letztendlich ist die Auswahl des richtigen Architekturfotos eine Erweiterung der Architektur selbst. Es ist eine bewusste Entscheidung, die weit über Geschmack hinausgeht. Indem Sie die Prinzipien von Perspektive, Materialität, Licht und Komposition anwenden, verwandeln Sie eine passive Wand in eine aktive Kraft, die Ihren Raum definiert und ihm Charakter verleiht. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Wände nicht nur zu schmücken, sondern sie zu gestalten.

Häufige Fragen zur Auswahl und Nutzung von Architekturfotografie

Was erlaubt die Panoramafreiheit nach § 59 UrhG konkret?

Die Panoramafreiheit erlaubt das Fotografieren und die gewerbliche Nutzung von Gebäuden, die von öffentlichen Wegen aus sichtbar sind – jedoch nur die äußere Ansicht. Das Fotografieren aus privaten Innenhöfen, von ticketpflichtigen Bereichen oder aus der Luft (z.B. mit Drohnen) ist in der Regel nicht abgedeckt. Auch Innenaufnahmen fallen nicht darunter.

Wann ist ein Gebäude selbst urheberrechtlich geschützt?

Ein Gebäude ist urheberrechtlich als Werk der Baukunst geschützt, wenn es eine besondere schöpferische Höhe aufweist und die Schutzfrist – 70 Jahre nach dem Tod des Architekten – noch nicht abgelaufen ist. Berühmte Beispiele sind das Hundertwasserhaus in Wien oder die nächtliche Beleuchtung des Eiffelturms.

Was gilt für erkennbare Personen auf Architekturfotos?

Für die kommerzielle Nutzung gilt: Sind Personen nur zufälliges „Beiwerk“ und nicht das Hauptmotiv, ist in der Regel keine Einwilligung nötig. Dies ist durch § 23 des Kunsturhebergesetzes (KUG) gedeckt. Sobald eine Person jedoch klar erkennbar ist und eine zentrale Rolle im Bild einnimmt, wird für die gewerbliche Veröffentlichung ihre Zustimmung benötigt.

Geschrieben von Anika Schroth, Medienkünstlerin und Expertin für Fotografie, Fine-Art-Printing und digitale Kunst (NFTs). Spezialisiert auf Drucktechniken, Dateiformate und die digitale Präsentation von Kunst.